Anlass für die Ausstellung ist der Gastlandauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse. Sie nutzt diesen Moment, um der deutschen Öffentlichkeit die Arbeit überwiegend jüngerer Architektinnen und Architekten näherzubringen. Rund 30 ausgezeichnete Bauten sind zu sehen, kuratiert von Helena Huber-Doudová von der Nationalgalerie Prag.
Spannend ist vor allem die geografische Auswahl: Die meisten gezeigten Projekte liegen nicht in Prag, sondern in der Region. Damit lenkt die Schau den Blick bewusst auf eine Tschechische Republik jenseits der Hauptstadt – auf Orte, deren architektonische Entwicklung im deutschsprachigen Raum bislang kaum ein Thema war.
Und genau das macht die Ausstellung für Planende und Architekturinteressierte interessant. Sie zeigt, wie eine junge Architektengeneration mit einem ziemlich schwergewichtigen modernistischen Erbe umgeht, ohne sich dauerhaft darauf zu berufen.
Sie macht außerdem deutlich, dass architektonische Qualität nicht an Metropolen gebunden ist – ein Gedanke, der auch für die Stadt-Land-Debatte in Deutschland gut anschlussfähig ist. Und sie bietet die seltene Gelegenheit, aktuelle tschechische Bauprojekte im direkten Vergleich zu sehen, statt sie nur vereinzelt aus Fachpublikationen zu kennen.
Der Rückbezug auf die Villa Tugendhat ist dabei kein zufälliges Kuratorenzitat, sondern ein bewusst gesetzter Rahmen: Das Haus, das Mies van der Rohe und Lilly Reich in ihren vierziger Jahren realisierten, steht für einen Moment, in dem internationale Moderne und lokaler Kontext in Brünn zusammenfanden – mit einem Ergebnis, das bis heute nachwirkt. Die Ausstellung stellt implizit die Frage, ob sich ein ähnliches Verhältnis von globalen Einflüssen und regionaler Verankerung heute in der tschechischen Architektur wiederfindet.
Was: Ausstellung „More Is Now – Neue Tschechische Architektur"
Wann: 19. September 2026 – 17. Januar 2027
Wo: DAM Frankfurt (Deutsches Architekturmuseum)