More Is Now – Neue Tschechische Architektur

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Wer an tschechische Architektur denkt, landet meist ziemlich schnell bei einem Gebäude: der Villa Tugendhat in Brünn. Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich haben sie 1929 entworfen, und bis heute gilt sie als eines der prägendsten Bauwerke der europäischen Moderne. Fast ein Jahrhundert später zeigt sich im Deutschen Architekturmuseum DAM Frankfurt: Hinter diesem großen Erbe hat sich eine Architekturszene entwickelt, die in Deutschland kaum jemand kennt. Eine junge Generation, die eigene Antworten auf heutige Bauaufgaben sucht – und sich von der Strahlkraft der Moderne nicht ins Bockshorn jagen lässt.

Wiederbelebung des Sudetenlandes im Erzgebirge, 2022–2025. No Architects, Foto: Studio Flusser

Die neue tschechische Architektur

Anlass für die Ausstellung ist der Gastlandauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse. Sie nutzt diesen Moment, um der deutschen Öffentlichkeit die Arbeit überwiegend jüngerer Architektinnen und Architekten näherzubringen. Rund 30 ausgezeichnete Bauten sind zu sehen, kuratiert von Helena Huber-Doudová von der Nationalgalerie Prag.

Janko Kráľ Skatepark unter der SNP-Brücke in Bratislava, 2020–2024. U / U Studio, Foto: Kubo Krížo
Winternitz – Adaption des Getreidesilos in Pardubice, 2018–2023. Prokš Přikryl, Foto: Petr Polák
Štvanice-Fußgängerbrücke (HolKa) in Prag, 2022–2023. Atelier Bridge Structures & Blank architekti, Foto: Alex Shoots Buildings
„1 KM Stadtwandel“ in Prag, 2013–2024. CCEA MOBA, Foto: Zdenek Has

Spannend ist vor allem die geografische Auswahl: Die meisten gezeigten Projekte liegen nicht in Prag, sondern in der Region. Damit lenkt die Schau den Blick bewusst auf eine Tschechische Republik jenseits der Hauptstadt – auf Orte, deren architektonische Entwicklung im deutschsprachigen Raum bislang kaum ein Thema war.

Haus in der Ruine in Jevíčko, 2016–2020. ORA, Foto: BoysPlayNice

Architektur neu gedacht

Und genau das macht die Ausstellung für Planende und Architekturinteressierte interessant. Sie zeigt, wie eine junge Architektengeneration mit einem ziemlich schwergewichtigen modernistischen Erbe umgeht, ohne sich dauerhaft darauf zu berufen.

Sie macht außerdem deutlich, dass architektonische Qualität nicht an Metropolen gebunden ist – ein Gedanke, der auch für die Stadt-Land-Debatte in Deutschland gut anschlussfähig ist. Und sie bietet die seltene Gelegenheit, aktuelle tschechische Bauprojekte im direkten Vergleich zu sehen, statt sie nur vereinzelt aus Fachpublikationen zu kennen.

Lasvit-Hauptsitz in Nový Bor, 2014–2019. OVA, Foto: Tomáš Souček

Das Erbe der Moderne

Der Rückbezug auf die Villa Tugendhat ist dabei kein zufälliges Kuratorenzitat, sondern ein bewusst gesetzter Rahmen: Das Haus, das Mies van der Rohe und Lilly Reich in ihren vierziger Jahren realisierten, steht für einen Moment, in dem internationale Moderne und lokaler Kontext in Brünn zusammenfanden – mit einem Ergebnis, das bis heute nachwirkt. Die Ausstellung stellt implizit die Frage, ob sich ein ähnliches Verhältnis von globalen Einflüssen und regionaler Verankerung heute in der tschechischen Architektur wiederfindet.

Villa Tugendhat in Brünn, 1928–1930. Ludwig Mies van der Rohe in Zusammenarbeit mit Lilly Reich, Foto: Schnepp Renou

Was: Ausstellung „More Is Now – Neue Tschechische Architektur" 
Wann: 19. September 2026 – 17. Januar 2027
Wo: DAM Frankfurt (Deutsches Architekturmuseum) 

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