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PLACES: Entdecken Sie Lieblingsorte verschiedener Architekt*innen, Part III

3 min Lesezeit

Wo wir herkommen, wo wir uns wohlfühlen, wo wir durchatmen und uns fallen lassen können – Zuhause, Geborgenheit, ein Raum für Persönlichkeit. Wir brauchen diesen Ort. Er ist essenziell, bestimmt und prägt uns, ist Ausdruck unserer Identität. Doch was definiert Heimat wirklich? Kann man sie bauen und entwerfen? Wo liegen unsere Wurzeln? Und was bedeutet Ankommen für uns?

Wir haben Architekt*innen und Innenarchitekt*innen nach ihren ganz persönlichen Wohlfühloasen gefragt und sind begeistert von dem breiten Spektrum an besonderen Lieblingsplätzen. Sie offenbaren die Bedeutung von Gestaltung und Kreativität, die unseren Lebensraum und unseren Alltag bestimmen – ob allein oder in Begegnungen. Tauchen Sie mit uns ein, tanken Sie Kraft und lassen Sie sich inspirieren von Freiheit, Begeisterung, Fantasie und Entspannung.

Benedict Esche
Lionel Esche
Kollektiv A, München

www.kollektiv-a.de

 

1. Was bedeutet Heimat für mich?

Heimat, das ist viel mehr als nur ein Ort. Heimat ist ein Geruch, ein Gedanke, die Erinnerungen und das Gefühl von Geborgenheit. Es ist ein Gefühl im Zeitalter von Wertewandel, Wirtschaftskrise und Globalisierung. Gerade jetzt entdecken wir mehr denn je, wie wichtig es ist, sich irgendwo zu Hause, beheimatet zu fühlen. Heimat, als Ort der Verwurzelung, so hatte Peter Sandmeyer es einmal treffend im „Stern“ umrissen. Dabei ist der Ort für jeden ein anderer: das geduckte Dorf in der Eifel, der Fischerhafen an der Nordsee, die Mietskaserne mit vier Hinterhöfen in Kreuzberg, die dunklen Tannen des Schwarzwalds, Bayerns Alpenpräludium oder die rußgeschwärzte Zechensiedlung im Ruhrgebiet. Es sind die Geschichten von kleinen Häusern und großen Häusern, von Orten, wo Wurzeln haften.

Foto: Max Arens

2. Stadt oder Land?

Heimat ist immer dort, wo man sich versteht, wo man der sein kann, der man sein will. Wo man Gleichgesinnte findet, sich am richtigen Platz findet. Das kann überall auf der Welt sein. In Berlin, in München, in der bayerischen Provinz in den Alpen oder auch am Rio de la Plata. Denn die Heimat ist kein Ort, sie ist ein Grundbedürfnis. Ebenso wie Hermann Hesses Peter Camenzind, der nach langer Weltwanderung zurückkehrt in die Berge und das Dorf seiner Kindheit: „Hier fällt es niemand ein, einen Sonderling in mir zu sehen.“

 

3. Kann man Heimat bauen?

Heimat kann man nicht bauen. Man kann die Grundlage dafür mit Architektur schaffen. Architektur kann Orte entwickeln, an denen Geborgenheit entsteht, Geschichten geschrieben werden und Romanzen und Erinnerungen sich festigen, denn die Architektur ist weit mehr als die Synthese von Funktion, Konstruktion und Deutung, sie ist weit mehr als die Auslotung von Grenzlinien, Technologie, Ökonomie und Gestalt. Es gilt, die Umwelt aus der pragmatischen Realität in die metaphysische Welt der Ideen zu transformieren, die Alltagswelt zu sensibilisieren und aus einer reinen Trivialität herauszuheben. Es geht darum, neue Qualitäten zu entwickeln – nicht nur bezahlbaren Wohnraum en masse. Mit einfachsten und gewöhnlichsten Wänden, Decken, Öffnungen Raumeindrücke und Bilder zu schaffen, die begeistern. Es ist ein Arbeiten mit dem Wesentlichen, das es jedem ermöglichen kann, diese Heimat in der Architektur zu spüren.

 

Lieblingsort von Benedict Esche und Lionel Esche


"Das Foto zeigt unser erstes gemeinsam gebautes Haus. Roh. Pur. Ehrlich."

Kim Le Roux
Margit Sichrovsky
LXSY ARCHITEKTEN, Berlin

www.lxsy.de

1. Was bedeutet Heimat für mich?

Margit: Für mich ist Heimat kein spezifischer Ort. Es geht mehr um ein Gefühl der Verwurzelung. Ich stelle mir dabei einen Baum vor, der sich mit den Wurzeln fest im Boden verankert. Diese Wurzeln können der Ort sein, an dem man aufgewachsen ist oder an dem man aktuell lebt, genauso wie
die verschiedenen Kulturen, mit denen wir uns identifizieren. Auch das soziale Umfeld aus
Familie und Freunden lässt einen verwurzeln.

Kim: Meine Familie und meine Freunde bedeuten für mich Heimat. Es geht dabei immer um Menschen, aber auch um spannende und inspirierende Orte und Kulturen. Für mich erzeugen Aufregung und Anregung ein Gefühl von Heimat. Da ich in Südafrika geboren bin und jetzt in Deutschland lebe, sind sowohl Kapstadt als auch Berlin Orte meines Zuhauses. Man kann sagen, dass ich immer auf dem Weg nach Hause bin.

 

 

Foto: Hannes Wiedemann

2. Stadt oder Land?

Kim: Auf jeden Fall in der Stadt. Ich fühle mich frei, wenn um mich herum viel los ist.

Margit: Für mich gibt es kein Entweder-oder.
Ich lebe zwar schon lange in der Stadt, aber mit der Zeit wird auch die Sehnsucht nach einem Ort auf dem Land größer. Ich kann mir also mehr und mehr beides vorstellen – aber nur in den Extremen. Also mitten in der Stadt oder ganz auf dem Land.

 

3. Kann man Heimat bauen?

Kim: Sicherlich! Mit den Menschen, die uns wie Familie und Freunde umgeben, entstehen Orte der Heimat. Ich selbst bin in Johannesburg geboren, habe aber meine Heimat in Berlin und Kapstadt.
Für mich persönlich sind ästhetische Orte wichtig. Ich fühle mich nicht wohl an hässlichen Orten.
Gefühle von Wohlbefinden, Geborgenheit bis hin zu Aufregung schaffen für mich Heimat.

Margit: Heimat lässt sich physisch bauen. Das haben Architekten über Jahrhunderte getan und dabei Wohnhäuser sowie Gebäude für kulturelle und gesellschaftliche Einrichtungen geschaffen, die ein Gefühl von Identifikation und Heimat stärken. Bei der Gestaltung von Heimat ist es wichtig, alles miteinzubeziehen – Stadt und Natur, den Nutzer, die Nachbarschaft und die Bautradition mit lokalen Techniken und Baumaterialien.

Kim: Das stimmt, Heimat ist komplex. Es ist auch gut, das anzuerkennen und das Entstehen von Heimat als einen Prozess zu sehen. Wie auch Lebenssituationen immer wieder in Veränderung sind, kann auch Heimat mit der Zeit wachsen. Ich mag die Vorstellung, dass wir gemeinsam permanent an unseren Heimaten bauen.

 

Lieblingsort Margit Sichrovsky

Margit Sichrovsky – die Gegensätze von Stadt und Land vereinen sich.

Lieblingsort von Kim Le Roux

Kapstadt und Berlin – die beiden Heimaten von Kim Le Roux.

Sielke Schwager
MS PLUS ARCHITEKTEN, Münster

www.msplus-architekten.de

 

1. Was bedeutet Heimat für mich?

Heimat bedeutet für mich „Verbundensein“: mit geliebten Menschen und/oder mit einer besonderen Umgebung. Unter dem Gefühl von Verbundenheit verbirgt sich wiederum das Gefühl von „Verstehen“ und „Verstanden werden“. Ich fühle mich also in einer gebauten Umgebung heimisch, wenn ich verstehe, warum der Raum ist, wie er ist, warum die Materialien so gewählt wurden, wie sie gewählt wurden, und ich das auch mit allen Sinnen spüren kann. Ich fühle mich zu Hause, wenn ich mich verstanden fühle, weil der Architekt/die Architektin beim Erschaffen dieses Raumes mich mit meinen Bedürfnissen im Blick hatte.

 

2. Stadt oder Land?

Meine Heimat liegt in der Stadt. Die Dichte von Gebautem, kulturellen Angeboten, Inspiration und Menschen bewirkt in mir ein beruhigendes Grundrauschen. Aber die Stadt kann auch nur meine Heimat sein, weil ich weiß, dass ich ebenso jederzeit mal aufs Land bzw. in die Natur flüchten kann, wenn das Rauschen zu laut wird …

 

3. Kann man Heimat bauen?

Definitiv. Wie schon bei der ersten Frage angesprochen, kann man meiner Meinung nach Heimat bauen, wenn man neben der Einbeziehung des Genius Loci wirklich die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer als Entwurfsparameter zugrunde legt und die atmosphärische Wirkung von Proportion und Material bewusst einsetzt. Auch auf der Ebene der Stadt ist das Bauen von Heimat oder Heimatgefühl – sicherlich neben dem Einsatz von regionalen und traditionellen Bauweisen – auch immer eng an den Maßstab Mensch geknüpft.

Lieblingsort von Sielke Schwager:


"Die Bank vor unserem Kaminofen ist mein Rückzugsort. Ich habe die Bank so entworfen, dass sie mich umschließt, mich vor dem Familientrubel schützt und mir die Möglichkeit gibt, mit mir verbunden zu sein und natürlich mit dem Feuer. Eine kleine Alltagsflucht vor dem lauten Rauschen …"

Foto: Ulrike Meywald
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