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Bis heute unvollendet: 5 Bauwerke, die nie fertiggestellt wurden

5 min Lesezeit

Mal selbstbewusst, mal geduckt stehen sie da, an den verschiedensten Orten dieser Welt, sind entweder verpönt oder hochgelobt, denn ihr Makel trifft nicht jeden Geschmack. Viele Bauprojekte, die mit großen Ambitionen begonnen wurden, sind bis heute unvollendet geblieben. Sie befinden sich in den unterschiedlichsten Entwicklungsstadien, sind nur als Grundmauern erkennbar, wurden lediglich zur Hälfte fertiggestellt oder zählen durch das Fehlen eines einzelnen Details zur Kategorie der unvollendeten Bauwerke. Die Gründe für die Baustopps sind ganz unterschiedlich: von Geldmangel über den Tod des Auftraggebers, bis hin zu Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen und Kriegen. Während sich einige dieser besonderen Architekturen bereits seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten im ewigen Bauprozess befinden und als Dauerbaustelle ungeduldig auf ihre Vollendung warten, werden andere für immer ihr Dasein als Bauruine fristen müssen.

Sagrada Falmilia Collage

Sagrada Família

Eines der bekanntesten unvollendeten Bauwerke ist die Sagrada Família – eine römisch-katholische Basilika in Barcelona und Wahrzeichen der spanischen Metropole. Die vielen Baukräne, die die imposante Kirche umgeben, gehören bereits zum Stadtbild und machen den über Jahrzehnte andauernde Bauprozess deutlich. Begonnen wurde mit dem Bau im Jahr 1882 unter dem spanischen Architekten Antoni Gaudí, der erste Repräsentant des katalanischen Modernismus. Nachdem dieser 1926 bei einem Straßenbahnunfall ums Leben kam, wurden die Bauarbeiten immer wieder unterbrochen. Während des spanischen Bürgerkrieges brannten Teile der Geburtsfassade nieder, Baupläne, Gipsmodell und Zeichnungen wurden zerstört. Ab 1950 konnte der Bau fortgesetzt und die vier Aposteltürme über der Passionsfassade vollendet werden. Die nach Südosten ausgerichtete Fassade der Herrlichkeit ist jedoch immer noch im Bau. Zudem kam in den Jahren immer wieder Kritik auf: Kirchengegner zerstörten im Bürgerkrieg die Fassade, Walter Gropius wollte den Weiterbau verhindern und 2008 forderten rund 400 Architekten, Schauspieler und Regisseure den Baustopp. Zu guter Letzt bemerkte man erst im Jahr 2016, dass die Baugenehmigung fehlte, so dass es erneut zu Verzögerungen kam. Diese wurde jedoch 2019 für weitere 7 Jahre erteilt. Trotz der vielen Unwägbarkeiten in den letzten 138 Jahren gibt es einen Lichtblick: Nach aktueller Planung soll das Gotteshaus bis 2026 endlich fertiggestellt werde – zum 100. Todestag Gaudis.

Collage: Bild von Ferienanlage Prora

Ferienanlage Prora

Erholen, Entspannen und Kraft tanken sollte sich der deutsche Arbeiter während der NS-Zeit im KdF-Seebad Rügen, einer 4,5 km langen Ferienanlage, die durch die Organisation „Kraft durch Freude“ errichtet wurde. Doch der Komplex wurde nie vollendet. Am 2. Mai 1936 legte man den Grundstein für das längste Bauwerk der Nationalsozialisten, das zum Großteil von dem Architekten Clemens Klotz entworfen wurde. Auf der Weltausstellung in Paris 1937 ist das Gebäude sogar mit dem Grand Prix ausgezeichnet worden.

Nur 150 Meter vom Strand entfernt sollte der „Koloss von Rügen“ Platz bieten für 20.000 Menschen. So ist jeder der 8 Blöcke 550 Meter lang und 6 Stockwerke hoch. Doch die Nazis stoppten die Bauarbeiten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs – 1939 ist nur der Rohbau vollendet. Von da an nutzten sie die Räumlichkeiten unter anderem als Ausbildungsstätte für Luftwaffenhelferinnen und ab 1944 als Lazarett. 1945 wurden drei Blöcke durch die Rote Arme zerstört, so dass nur noch 2,5 km nutzbar waren, die als „monumentalste Kasernenanlage der DDR um- und ausgebaut wurden. Über vier Jahrzehnte hinweg diente das Gelände dem Militär. Danach wurde Prora zum Sperrgebiet erklärt. Seit 1993 ist die Anlage wieder öffentlich zugänglich und beherbergt die längste Jugendherberge der Welt. Die anderen Gebäudeteile werden nach und nach saniert, restauriert und als Eigentums- und Ferienwohnungen genutzt.

Collage: Bild im Fokus. Tunnel mit Grafitti beschmierten Wänden

U-Bahn-Linie 10

Einst sollte sie von der Drakestraße in Lichterfelde über Steglitz quer durch Berlin über den Potsdamer Platz und Alexanderplatz bis nach Weißensee führen, aber der ehrgeizige Plan wurden bis heute nicht vollständig realisiert.

Bereits in den 1920er-Jahren gab es erste Ideen und Entwürfe für die U-Bahn-Linie 10, die 1955 im Rahmen des 200-km-Plans als Linie F vorgestellt wurde. In den späteren Plänen von 1972 und 1977 benannte man sie um in U10. Die Gründe für die fehlende Fertigstellung waren sowohl die Teilung der Stadt als auch Geldmangel, denn die bis 1984 auch in West-Berlin von der Deutschen Reichsbahn der DDR betriebene S-Bahn wurde von den Berliner Verkehrsbetrieben übernommen. Das vorhandene Geld floss daher in die S-Bahn – für die U10 reichten die finanziellen Mittel nicht mehr aus. Trotzdem gab es an vielen Stellen bereits Bauvorleistungen, wie der unterirdische U-Bahnhof am Innsbrucker Platz, der begonnen, aber niemals fertiggestellt wurde. Auch an der Schlossstraße sowie am Rathaus Steglitz wurden bereits mehrere Tunnel für die neue Linie gebaut. Da die Vollendung der U10 bis heute aussichtslos scheint, wird die U10 zuweilen auch als „Phantomlinie“ bezeichnet.

Collage: Bild Im Fokus. Straßburger Münster

Straßburger Münster

Was hier fehlt ist eindeutig: Der Südturm des Liebfrauenmünsters zu Straßburg wurde aus Geldmangel nie errichtet. Trotzdem zählt das bedeutende Gotteshaus zu den größten Sandsteinbauten der Welt und verbindet deutsche und französische Kultureinflüsse. Erbaut wurde die Kirche von 1176 bis 1439 und galt bis 1874 mit ihren 142 Metern als das höchste Bauwerk der Welt und das höchste im Mittelalter vollendete Gebäude. Renommierte Architekten wie Erwin von Steinbach und Ulrich Ensinger waren am Bau beteiligt. Dank der asymmetrischen Form, die durch das Fehlen des Südturms entsteht, ist das Straßburger Münster das Wahrzeichen des Elsass – besonders die Astronomische Uhr im Innern, deren Räderwerk sich bis in eine Höhe von 18 Metern erstreckt, fasziniert täglich viele Touristen. Das 66 Meter hohe Plateau, auf dem ursprünglich der Südturm errichtet werden sollte, kann heute von Besuchern als Aussichtsplattform genutzt werden, von der sie den wunderbaren Blick über die Stadt genießen können.

Collage: Bild im Fokus. Ryugyŏng-Hotel

Ryugyŏng-Hotel

Ursprünglich sollte es das höchste Hotel der Welt werden, doch bisher hat noch kein Gast im Ryugyŏng-Hotel in Nordkorea eingecheckt. Seit 1987 befindet sich das Gebäude im Bau, das aus drei schrägen Betonflügeln besteht, die an der Spitze zusammenlaufen. So sieht es von Weitem aus wie eine Pyramide oder eine imposante Rakete. Ganz oben befindet sich zudem ein Kegel, der fünf rotierende Restaurants beherbergen soll. Geplant war außerdem, dass der 330 Meter hohe Wolkenkratzer auf 105 Etagen 3000 Hotelzimmer sowie ein Casino und Konferenzräume bietet. Doch die geplante Eröffnung zum sowjetischen „Festival of Youth and Freedom“ im Jahr 1989 hat niemals stattgefunden und die Bauarbeiten wurden 1993 aufgrund von Material- und Konstruktionsproblemen eingestellt. Nur das Stahlbetongerüst in seiner vollständigen Höhe wurde bis dahin fertiggestellt. Erst im Jahr 2008 setzte der ägyptische Konzern Orascom den Bau fort und es entstand die imposante Fassade aus verspiegeltem Glas. Die nordkoreanischen Behörden gaben außerdem bekannt, dass das Hotel zum 100. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung endlich Eröffnung feiern soll – doch auch daraus wurde nichts. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, so dass das Hotel heute als das „Hotel der Verdammnis“ betitelt wird. Seit 2018 ist die Fassade mit LED-Pixeln illuminiert und erleuchtet zeitweise die Stadt.

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