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Architektur – Liebe – Leidenschaft: Gespräche mit Architekturstudenten

3 min Lesezeit

„Ist das Architekturstudium schwer?“ – „Architektur? Das ist bestimmt schwer!“, hört man oft von Nicht-Architekten. Die Antwort eines Architekturstudenten ist darauf jedoch größtenteils: „Nein.“ Denn die Frage, ob Architektur ein „schweres“ oder ein „leichtes“ Fach ist, stellt sich ein Architekturstudent nicht.

Architektur – Liebe – Leidenschaft

Die Beweggründe, Architektur zu studieren, sind andere. Architektur ist ein Neigungsstudium. Eine gewisse Leidenschaft dafür sollte jeder Student unbedingt mitbringen. Bereits 1929 erklärte Le Corbusier in seinen „Feststellungen zu Architektur und Städtebau“, dass „die Synthese aus Vernunft und Leidenschaft das inspirierte Werk ergibt. Die Vernunft sucht die Mittel. Die Leidenschaft führt uns auf den Weg.“ Leidenschaft braucht Zeit und Raum zur Entfaltung. Deshalb ist es auch heutzutage, nachdem das Planen und Bauen und die Normen und Regeln dazu immer komplexer werden, noch empfehlenswert, vorerst ein generalistisches Architekturstudium ohne Nischenschwerpunkt zu absolvieren.

Der Beruf des Architekten verlangt einem viel ab. Davon ausgehen, dass man nach einem erfolgreich absolvierten Architekturstudium eine gut bezahlte Arbeitsstelle, einen Firmenwagen und geregelte Arbeitszeiten hat, kann man bekanntlich nicht. Doch das sollte Architekturstudenten vor Beginn des Studiums bewusst und kein Grund dafür sein, die Leidenschaft für die Architektur unbeachtet zu lassen. Das war schon immer so. Adolf Loos sagte 1931: „Dass ich kopiert werde, kränkt mich nicht – im Gegenteil: Das ist ja das Ziel meines Lebenswerkes! Auch um das Finanzielle kümmere ich mich wenig: Die anderen schaffen Geld – ich schaffe Architektur.“ Motivation, Begabung und viel Idealismus machen den Beruf des Architekten am Ende zweifelsohne zu einem der schönsten auf der Welt. Die Leidenschaft kann als Antrieb dienen.

Wir haben drei leidenschaftliche Architekturstudenten verschiedener Hochschulen gefragt, was ihre Leidenschaft für Architektur ausmacht und wie sie diese im Studium ausleben können. Ein Gespräch mit dem Stuttgarter Architekt Prof. Arno Lederer, ehemals Lehrer an unterschiedlichen Hochschulen, über seine persönliche Leidenschaft für die Architektur und deren Bedeutung in der Lehre, finden Sie hier.

Dominik von Waldthausen

Architekturstudent an der TU München

„Architektur gibt mir die Möglichkeit, mit Hilfe meiner Fantasie, Bleistift und Papier Räume zu ‚erschaffen‘ und bis ins Detail zu gestalten. Ich bin ein leidenschaftlicher Entwerfer – ganz egal ob ein Haus, einen Garten oder ein Möbelstück. Es gibt für mich nichts Aufregenderes, als wenn sich aus einer ersten Entwurfsidee ein immer schärferes Bild entwickelt, das sich stetig verfeinert. Gerade die Ausbildung an der Uni gibt mir die Zeit und die Möglichkeit, meine Ideen auszuleben und auch  jenseits von Bauordnungen und Kostenrahmen zu Ende zu denken. Dabei ist es für mich kein Problem, dass diese Entwürfe den Stand der Skizze oder des Modells niemals verlassen! Viel wichtiger ist es für mich, ein genaues Bild im Kopf entstehen zu lassen – der Rest kommt im Berufsleben früh genug.“

Leif Linhoff

Architekturstudent an der ETH Zürich

„Ich beschäftige mich leidenschaftlich mit Architektur, weil sie so facettenreich ist. Ob konstruktiv, materiell, historisch, kulturell, ökonomisch – Architektur erlaubt zahlreiche Betrachtungsweisen. Diese Vielfalt bietet mir auch mein Studium. Inhalte völlig verschiedener Fachbereiche fügen sich hier zu einem ganzheitlichen Bild zusammen. Dieses Bild spiegelt sich im architektonischen Entwurf wider, den ich auf vielfältige Weise darstellen kann. Plan, Bild, Text, Modell – es fasziniert mich, mit diesen Werkzeugen meine Ideen zum Ausdruck zu bringen.“

Laura Grüber

Architekturstudentin an der BTU Cottbus-Senftenberg

„Meine Leidenschaft für Architektur ist geprägt durch Fantasie, Kreativität und ein Gespür für Ästhetik. Die gestalterische Vielfalt, der rege Austausch mit meinen Mitmenschen und der damit verbundene Ideenreichtum begeistern mich. Mein Studium ermöglicht mir eigene Projekte, durch die ich mich selbst besser kennenlerne, freie Aufgabengestaltung, die mir zeigt, was möglich ist, und Experimente, die mir Neues und Unbekanntes eröffnen.“

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