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Buchtipp: Zwischen Küche und Stadt

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Kochen und essen: Nicht zuletzt aufgrund von Social Media sind diese verquickten Themen omnipräsent. An allen möglichen Orten wird gegessen oder getrunken. Nur die heimische Küche ist immer seltener Ort des Geschehens. Diese Tatsache nimmt die Architekturtheoretikerin Julia von Mende zum Anlass, die räumlichen Bezüge zeitgenössischer Essgewohnheiten gründlich zu betrachten.

 

Interviews und Analysen verknüpfen dabei heutige Berliner Küchen mit Orten außer Haus und der Historie. Das im März 2022 erschienene Buch gibt Einblicke in die urbane Küchen- und Essensrealität in einem beschleunigten Lebensumfeld und thematisiert das Verhältnis von Privathaushalt und städtischem Umfeld. Ein Beitrag zur kulturwissenschaftlichen Architekturforschung, der obendrein wertvolle Fingerzeige für die Planung liefert.

Zwischen Küche und Stadt. Zur Verräumlichung gegenwärtiger Essenspraktiken - Julia von Mende

Welche Funktionen erfüllen Küchen in der Metropole, in den eigenen vier Wänden, im Quartier? Private und nicht private wie Restaurant oder Imbiss? Im Mittelpunkt des Buches stehen Interviews in Berliner Haushalten, die – gestützt durch Konsumzahlen, Wirtschaftsdaten der Gastronomiebranche sowie Feldforschungen – belegen, dass sich das Essen in der Großstadt mehr und mehr nach außen verlagert.

Ganz anders als es in der Medienwelt den Anschein hat, wo das Selbstkochen im Fokus steht. Nicht nur der Vergleich diverser Küchenarten, auch die Rolle von Medien und Lieferdiensten, die Auslagerung der kernfamiliären Tischgemeinschaft in hausübergreifende Gemeinschaftsküchen, die ‚Mediterranisierung der Innenstädte‘ uvm. werden thematisiert. Die Resultate stellt Julia von Mende in den Kontext von Hartmut Rosas Theorie der ‚gesellschaftlichen Beschleunigung‘ und reichert sie mit Exkursen zu verschiedenen Themen an, beispielsweise zu den Küchenentwürfen Margarete Schütte-Lihotzkys.

Weitere Kapitel machen die technologischen Phasen vom Kochen über offenem Feuer bis hin zur Loslösung der Essenszubereitung vom Heizen und den Konsequenzen für die Grundrisse der Wohnstatt zum Thema. Auch die Historie der Außer-Haus-Gastronomie von der babylonischen Garküche bis zum Coffee to go findet ihren Platz in der Abhandlung – die Vielfalt bietet nahezu unbegrenzten Input zur Esskultur. Kurz: ein inspirierendes Nachschlagewerk rund um die Küche.

Julia von Mende:
Zwischen Küche und Stadt. Zur Verräumlichung gegenwärtiger Essenspraktiken (446 Seiten)
Transcript Verlag, Bielefeld 2022
ISBN 978-3-8376-5935-1
39,00 EUR

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