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Pritzker-Preis 2022: Glückwunsch an Francis Kéré!

3 min Lesezeit

Der 1956 in Burkina Faso geborene Diébédo Francis Kéré mit Büro in Berlin ist als erster aus einem afrikanischen Land stammender Architekt mit dem Pritzker-Preis 2022 ausgezeichnet worden. BerührungsPUNKTE gratuliert dem bereits vielfach ausgezeichneten Meister des ökologischen Bauens zur höchsten Auszeichnung für Architektur, die mit 100.000 Dollar dotiert ist.

National Park of Mali
© by Francis Kéré

In der Jury-Begründung aus Chicago heißt es: „Er weiß intuitiv, dass es bei Architektur nicht um das Objekt geht, sondern um das Ziel; nicht um das Produkt, sondern um den Vorgang. Seine Gebäude, für und mit Gemeinschaften, sind direkt von diesen Gemeinschaften – in ihrer Erschaffung, ihren Materialien, ihren Programmen und ihren einzigartigen Charakteren.“ Aus diesem Grund hat er auch neben dem Pritzker-Preis bereits fast alle wichtigen Auszeichnungen bekommen, seine Arbeit wird in den renommiertesten Museen der Welt gezeigt, und er unterrichtet an den bedeutendsten Architektur-Fakultäten. 

Serpentine Pavilion
© by Iwan Baan
Burkina Faso, National Assembly
© by Kéré Architecture

Der Beginn eines beeindruckenden Werdegangs

Francis Kéré wurde als ältester Sohn des Häuptlings von Gando, einem Dorf in Burkina Faso, geboren. Als er sieben Jahre alt war, schickte ihn sein Vater in die Stadt, damit er als erster Dorfbewohner lesen und schreiben lernen sollte. Ein abruptes Ende seiner Kindheit, denn in seiner Gastfamilie musste Kéré schwere Arbeiten verrichten, unter anderem Baumaterial mithilfe eines Esels herankarren. „Dabei ist mir aufgefallen, dass wir nach jeder Regenzeit den Lehmputz der Häuser ausbessern mussten. Deswegen habe ich mir damals überlegt, wie man die Dinge besser machen kann, damit ein Kind diese schwere Arbeit nicht mehr machen muss.“ Die Idee, die heimischen Hütten zu modernisieren, war geboren. Mit der Realisierung dieser Idee wurde er einer der innovativsten Baumeister der Welt, ein Vorreiter in Sachen soziale Architektur. Im Fokus stehen bei ihm die Bedürfnisse der Menschen und der Natur, die regionalen Materialien und Traditionen.

Xylem
© by Iwan Baan
BIT
© by Francis Kéré

Das wichtigste Projekt seines Lebens

Das Berufsleben Kérés begann mit einer Ausbildung als Tischer. Im Anschluss bekam er ein Stipendium und ging zum Architekturstudium an die TU Berlin. Zu dieser Zeit begann er bereits mit dem Bau einer Schule, die ihm Weltruhm einbringen sollte, der mit dem Aga Khan Award ausgezeichnete Grundschule in Gando. Dazu sagt er heute:„Meine wichtigste Leistung in meinem Leben ist, dass ich überhaupt den Mut gehabt habe, zu sagen: Lasst uns eine Schule aus Lehm bauen.“ Schließlich hat er mit diesem Projekt bewiesen, wie der älteste und ökologischste Baustoff für zeitgemäße Anforderungen widerstandsfähiger gemacht werden kann – mit der Beimischung einer kleinen Quantität Zement. Zudem braucht das Gebäude Keine Klimaanlage, womit sich Kéré als Experte für Luftzirkulation einen Namen machte.

Primary School Extension
© by Erik Jan Owerkerk

Jeder verdient Qualität, jeder verdient Luxus

Bleibt zu hoffe, dass Diébédo Francis Kéré noch viele wegweisende Projekte realisiert, die seinem Motto folgen: „Ich hoffe, dass ich das Paradigma verändern kann, Menschen zum Träumen und zu Risiken antreiben kann. Nur weil du reich bist, solltest du keine Materialien verschwenden. Nur weil du arm bist, solltest du trotzdem versuchen, Qualität zu erschaffen. Jeder verdient Qualität, jeder verdient Luxus, jeder verdient Gemütlichkeit. Wir sind miteinander verbunden, und Sorgen über Klima, Demokratie und Knappheit sind Sorgen um uns alle.“

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