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Fotostrecke Illusionisten: das Spiel mit dem Licht

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Fotostrecke: Illusionisten

„Wir wollen die Wahrnehmung für den realen Ort stärken. Wir suchen Möglichkeiten, in einer neuen verständlichen Sprache ‚er-leb-bare’ Räume zu schaffen.“ Dass die neue Wahrnehmung eine Illusion ist, der neue Raum zwar erlebbar aber nicht materiell ist, spielt in ihrem Fall keine Rolle. Das interdisziplinär arbeitende Berliner Medienkunst-Büro Mader Stublic Wiermann projiziert eine Welt in die Welt, Räume in Räume und Innerstes ins Außen. Es stellt Raumzusammenhänge her, indem sie die traditionellen raumbildenden Mittel der Architektur um die zeitgebundenen Medien, wie zum Beispiel Licht, Video und Ton, ergänzen und so eine neue Realität schaffen.

Für uns haben ihre Projekte einen hohen Glamourfaktor, wenn sie nicht gar anmuten wie magisches Sternengefunkel. Lichtbäche fließen durch den urbanen Raum, Gebäudekonturen geraten in Bewegung, verändern ihre Größe, ihre Form, und aus statischer Unbeugsamkeit wird dynamischer Flow.

Fotostrecke: Illusionisten
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Licht – insbesondere Video als fein gerastertes Licht – kann den Baukörper bei Nacht neu interpretieren, vorgefundene Formen dekonstruieren und neue, alternative Formen anbieten. Behutsam eingesetzt, lässt es der originalen Form dennoch immer genügend Luft sich zu behaupten. Auch die Möglichkeit, teils widersprüchliche Interpretationen zeitlich hintereinander zu formulieren, verhindert die Vereinnahmung oder Totalität – die Bespielung einer Architektur als Zufügen einer neuen, transparenten Schicht, die mit der Originalform interagiert. Der Stadtraum wird immer mehr zum Träger von – oftmals kommerziellen – Botschaften. Der Einsatz von Licht spielt dabei eine große Rolle. Die zugefügten Schichten manipulieren die Rezeption. Sie ersetzen Realität durch Bilder von Realität und verändern so unmerklich die Stadt beziehungsweise ihre Wahrnehmung. Der urbane dreidimensionale Raum wird „unsichtbar“, er ist von zweidimensionalen Bildern überlagert – diese sind künstlich und manipulierbar.

Mader Stublic Wiermann reflektieren diese Vorgänge, indem sie die Wahrnehmung herausfordern und bewusst Widersprüche platzieren. Vorhandene Architektur wird über Licht unerwartet kommentiert, verfremdet, in Frage gestellt. Es wird die Auseinandersetzung mit dem „Original“ gesucht: Die zugefügten Schichten sind transparent, sie verdecken die Stadt nicht, sondern ergänzen sie.

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Mader Stublic Wiermann formulieren ihr Anliegen folgendermaßen: „Die Stadt besteht immer aus realen und virtuellen Elementen. Um den Bedürfnissen des Individuums und der Gesellschaft gerecht zu werden, kommt es unserer Meinung nach nicht darauf an, welchen Realitätsgrad das ‚Baumaterial’ hat, sondern wie es seiner Aufgabe gerecht wird – ob und wie es den urbanen Raum ausformuliert. Wir denken, dass die neuen Lichttechnologien jenseits von Mega-Werbe-Screens das Potenzial haben, die Stadt dreidimensional und offen für Interpretationen weiterzubauen.“

Bildnachweise: Hervé Massard, Werner Hannappel (Dämmerung) Mader Stublic Wiermann (Nacht), Nina Vöge, Mader Stublic Wiermann

Youtube: „twists and turns“ on the Uniqa Tower, Vienna

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