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Firmenporträt: KEUCO

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Das Unternehmen KEUCO weiß, was es kann, und hört nicht auf, sich auf dem Fundament seiner Erfahrungen weiterzuentwickeln.

Firmenporträt: KEUCO
„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“
Henry Ford

Funktional wurden hier seit 1953 Flächen für die Produktion erschlossen, es entstand eine Gebäudekonstellation, die sich stets im Prozess befand – bis heute. Relikte aus den 1970ern sind in einigen Bereichen liebevoll erhalten, gar in Szene gesetzt worden, wenn auch generell die Vorwärtsgewandtheit zählt – räumlich, optisch und im übertragenen Sinne. (Nach der Messe ist vor der Messe!)

Hartmut Dalheimer, seit 1991 bei KEUCO und seit 1995 Geschäftsführer, steuert als feinsinniger Ästhet mit sicherer Hand das Unternehmen, ist Visionär, größter Fan des Unternehmens und harter Arbeiter zugleich. „Ich sage, was ich denke, und tue, was ich sage!“, fasst er seine Art in Worte. Mit Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit beschreibt er seinen Anspruch an sich selbst. Sein beruflicher Anspruch: „Tolle Produkte! Keine Kompromisse in der Qualität!“ BerührungsPUNKTE trifft den Geschäftsführer an seinem Lieblingsort, in der KEUCO-Lounge im Designforum. Gepolsterte Sitzbänke, Ton in Ton mit einem sandfarbigen hochflorigen Teppich, Kissen, Kuben, Exponate in Wandscheiben inszeniert, angenehmes Licht, der Blick nach draußen oder Blickachsen zur großen und gerade wieder neu eröffneten Badausstellung wirken einladend und machen neugierig. Kommunikation klingt hier nicht nach Arbeit. Eher nach Austausch auf Augenhöhe, inspirierend, locker, persönlich.

Begonnen hat alles 1953 mit den Herren Paul Keune, Hermann Bönner, Josef Himrich und Eduard Baron de Becker-Remy, die die Firma „Paul Keune + Co. K.-G.“ zur Herstellung von Badaccessoires gründeten. Zeitnah kam die erste Accessoires-Serie „DE LUXE“ auf den Markt. Kurze Zeit später ELEGANCE, die einen Bekanntheitsgrad weit über den des Unternehmens hinaus erreichte. Schon früh wurde eng mit Designern zusammengearbeitet – in den 1970ern entstanden die berühmten Colani-Bäder in Kooperation mit Villeroy & Boch und die Idee des Komplettbades wurde geboren.

PLAN – Geburtsstunde von BerührungsPUNKTE

Wer die Architekturaffinität von KEUCO verstehen will, muss die Serien KEUCO PLAN, EDITION 400 und IXMO kennen. PLAN ist auch die Geburtsstunde von BerührungsPUNKTE. Gäbe es PLAN nicht, gäbe es diese Kooperation nicht. Das Bewusstsein für die Gestaltung von Bädern war vor 16 Jahren eher durch den Begriff der Nasszelle geprägt. Mit der bis heute gültigen „Neufert-Bauentwurfslehre“ konnten vermaßte Varianten der optimalen Badnutzung für Singles, Familien, Gruppen und bewegungseingeschränkte Personen erarbeitet werden. Das Bewusstsein für eine ganzheitliche Gestaltung bis ins Baddetail, war aufwendigen, teuren und extrem designaffinen Architekten vorbehalten. Dem Gros der Architekten wurde die Ausdehnung der Planung erst in den folgenden Jahren zugestanden. Das Programm KEUCO PLAN entstand mit dem Ziel, Architekten die Badgestaltung schmackhafter zu machen.

Bei KEUCO begegnet man immer wieder dem Ausdruck „sinnhafte Sinnlichkeit“. Was ist damit gemeint? „Wenn die emotionale Komponente eines Produkts meine Sinne anspricht, mich erfreut und angenehm berührt, dann ist das Sinnlichkeit. Die Funktionalität und die Qualität der Ausführung bilden das Fundament dafür.“ Als Beispiel schwärmt Dalheimer von der gerade auf der Messe ISH vorgestellten EDITION 400. „Es ist uns noch nie gelungen, so materialreduzierte und filigrane Produkte zu bauen: klar und dennoch weich, geometrisch und dennoch sinnlich.“ Die Ausstrahlung ist bis ins letzte Detail perfektioniert worden – inklusive der Lichtwirkung des Spiegelschrankes (je nach persönlicher Fasson kann die LED-Beleuchtung auf taghell/kühl oder schummrig/warm eingestellt werden).

Das Potsdamer Designbüro Tesseraux+Partner begleitet KEUCO seit 10 Jahren und war federführend bei der Entwicklung der aktuellen KEUCO-Neuheiten EDITION 400 und IXMO. BerührungsPUNKTE sprach mit Dominik Tesseraux über seine Arbeit und seinen Anspruch.

Herr Tesseraux, woran erkennt man herausragendes Design?

Gutes Design definiert sich nicht nur über Formalien. Für uns kann ich sagen, dass wir kein Produkt um des Neuen willen entwickeln. Wir wollen immer eine relevante Verbesserung schaffen. Funktional, konzeptionell und gestalterisch.

Wie gehen Sie die Aufgabe an, eine neue Edition zu entwerfen?

Bei KEUCO sind wir in der Lage, eine Gestaltungsaufgabe sehr frei anzugehen. Wir suchen nach sinnvollen Innovationen und Ergänzungen für Zielgruppe und Portfolio. Die ersten Schritte sind daher oft sehr analytisch, systemisch und auch konzeptionell. Mit EDITION 400 wollen wir uns unkompliziert und flexibel den bestehenden Architekturen nähern. Das deutlich dargestellte Board ist die DNA der neuen Serie, die sowohl das Produkt auf Maß gestaltet als auch den Komplettartikel. Die klassische Waschtischlösung entwickelt sich dabei aus dem flexiblen Ansatz.

EDITION 400 Waschtischboard als DNA für die ganze Serie

Verleihen neue technische Möglichkeiten bei der Gestaltung größere Freiheit? Oder engen sie den Spielraum sehr ein, eben weil sie integriert werden müssen?

Oft wird versucht, technischen oder auch innovativen Produkten eine möglichst auffällige äußere Gestalt zu geben. Unsere Haltung ist da eine andere. Wir wollen die Produkte vom Anwender her denken und das wesentliche Merkmal in den Fokus stellen. Da ist dann nicht relevant, welche technischen Möglichkeiten sich bieten und wie innovativ ein Produkt per se ist, sondern wie sich die Innovation in ein ästhetisch und funktional überzeugendes Produkt integrieren lässt.

EDITION 400 Filigrane Accessoires vom Marktführer

Was schätzen Sie an der KEUCO-Philosophie?

Herr Dalheimer, der Geschäftsführer von KEUCO, drückt es manchmal so aus: KEUCO-Produkte sollen Sinnhaftigkeit und Sinnlichkeit verbinden. Und dieser Anspruch wird tatsächlich gelebt. Auch kleinste Details werden konsequent hinterfragt, damit eine Designentscheidung getroffen werden kann. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Produkt und die grundsätzliche Offenheit, Themen anzugehen, die für das Unternehmen neu und herausfordernd sind, machen die Zusammenarbeit für uns besonders spannend.

Die IXMO-Armaturen sind so minimalistisch, dass das Design vollkommen in den Hintergrund rückt. Architekten werden begeistert sein. Wie war der Entstehungsprozess? Was war Ihr Anspruch?

Für KEUCO ist diese technische Innovation im Armaturenbereich ein wichtiger und großer Schritt und uns war klar, dass sich das Design in zahlreiche Bäder und in das komplette KEUCO-Sortiment einfügen können muss. Bei einer herkömmlichen Duschausstattung hat normalerweise jedes Funktionselement eine eigene Montageposition. So reihen sich dann oft mehrere Installationen horizontal oder vertikal an der Wand aneinander. Unser Ansatz bei IXMO war, die Anzahl der montierten Einheiten zu reduzieren und in diesen Einheiten eine sinnvolle Funktionsverknüpfung anzubieten. Da jede Armatur einen eigenen Unterputzkörper hat, bietet IXMO außerdem die Möglichkeit zur freien Positionierung der Elemente. IXMO steht daher für Freiheit in der Gestaltung bei gleichzeitig reduzierter Optik.

IXMO ist auch ein gutes Beispiel für das Ansprechen mehrerer Zielgruppen. Für den minimalistisch orientierten Kunden entwickelt, bietet es nun so viele Montagevorteile, dass auch der Installateur daran Gefallen finden wird. Er kann beispielsweise nachträglich dreidimensional justieren, also auch in der Tiefe. Durch einen intelligenten Tiefenausgleich ist immer die gleiche Ausladung vor der Wand gegeben.

Was inspiriert Sie bei Ihrer Arbeit? Wie entstehen neue Designideen? Wie erfolgt der rein kreative Prozess?

Wir verstehen das Gestalten in erster Linie als eine Art Ausloten zwischen Chancen und Grenzen. Der Dialog mit den verschiedenen Unternehmensdisziplinen, Produktmanagement, Konstruktion, Marketing und Vertrieb, ist für uns inspirierend und wesentlich. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist dann idealerweise für alle ein Schritt nach vorn.

Dominik Tesseraux Foto: Marek Kucera www.tesserauxundpartner.de

Was sollten Architekten über Ihre Serien wissen?

Wir haben eine starke Affinität zur Architektur und arbeiten in den Bereichen Bad, Küche, Wohnen und Hausautomation. Die meisten unserer Kunden sind ebenfalls sehr architektonisch ausgerichtet. Die Produkte, die wir gestalten, haben in der Regel eine lange Standzeit und es ist unser Ziel, eine langlebige Schnittstelle zwischen Benutzer und Architektur zu schaffen. Meist entwickeln wir Systeme, um flexibel auf die unterschiedlichsten architektonischen Szenarien reagieren zu können, versuchen aber, diese nicht unsinnig kompliziert zu machen.

EDITION 400 – Vielfalt am Waschtisch: Sinnliche Formen glänzend verchromt
EDITION 400 – Vielfalt am Waschtisch: Sinnliche Formen glänzend verchromt

Symbiose aus minimalistischem Design und maximaler Funktionalität

Welchen Anspruch dürfen Architekten an das Unternehmen, seine Produkte haben? Herr Dalheimer formuliert es so: „Wir sind davon überzeugt, dass der Bauherr auf lange Sicht sehr zufrieden sein wird. Es handelt sich um ein Rundum-sorglos-Paket – für alle Beteiligten. Installateure werden durch uns geschult, die extrem lange Lebensdauer der Produkte wird durch unsere Qualität gewährleistet und es steht für alle Eventualitäten unser exzellenter Service zur Verfügung.“

Das Augenmerk liegt auf der Langlebigkeit. Und zwar in Sachen Qualität ebenso wie in Bezug auf die Designsprache. Es wird keinen Trends gefolgt, es werden keine Trends formuliert – es wird sinnvoll optimiert und für alle Sinne realisiert. Auf diesem Prinzip basiert IXMO. Das fällt schon in der Ausstellung ins Auge. IXMO ist so reduziert, dass einem zunächst der Gedanke kommt: „Da fehlt doch was?!“ Nichts fehlt. Es handelt sich um ein Unterputzsystem für Dusche und Badewanne mit klarer, reduzierter Formensprache. Die einzelnen Komponenten liefern alle das gleiche Bild, wahlweise mit runder oder eckiger Rosette. Harmonische Homogenität mit frei wählbarer Position. Und weil bis zu drei Funktionen in einem Teil kombiniert werden können, minimiert sich die Anzahl der Komponenten. Die perfekte Lösung für alle Ästheten.

Das Berufsleben gleicht einem Marathon

Das Thema Nachhaltigkeit ist natürlich auch bei KEUCO von großer Bedeutung – hier gilt ebenfalls: Machen wir ohnehin schon ewig, aus unserer eigenen Verantwortung heraus, immer der Zeit voraus und immer mehr als nötig. Aus dieser Verantwortung heraus versorgt das eigene Blockheizwerk mit Energie, macht die eigene Wasseraufbereitungsanlage aus Industrieabwässern Trinkwasser, wird der Eishockeyverein Roosters in Iserlohn mental und finanziell unterstützt – und: Die Schülerinnen und Schüler der benachbarten Grundschule sorgen mittags in der Kantine für Leben und frischen Wind. Sie stürmen um Punkt 13:15 Uhr den Speiseraum und verscheuchen die Mitarbeiter, die sich unwissenderweise an „ihre” reservierten Plätze begeben haben. Grundsätzlich geht es Dalheimer darum, der Gesellschaft einen Teil der Erträge zurückzugeben. Dem Standort, der Region, den Kunden, den Partnern und dem einzelnen Mitarbeiter.

Hartmut Dalheimer vergleicht das Berufsleben mit einem Marathon. Entscheidend sind Kontinuität, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit – hin und wieder gespickt mit Zwischensprints. Wenn man den Vergleich so anstellen mag, liegt Dalheimers sportlicher Anspruch bei 2,5 Stunden – was bei der Redaktion erst einmal für Überraschung gesorgt hat, denn so eine Zeit laufen Profis. „Eben drum. Wir sind hier alle Profis.“

Fotos: KEUCO; CASA Fotoatelier für Werbung; Steffen Schacher; Daniel Sumesgutner

www.keuco.de

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