Das 16.000 Quadratmeter große Lagerhaus, das früher als Umschlagplatz für die Holland-America Line diente, wurde von dem Rotterdamer Büro Bureau Polderman aufwendig restauriert und umgestaltet. Mit einer Länge von 172 Metern war das Gebäude bei Fertigstellung 1922 das größte Lagerhaus der Welt – ein Symbol für Rotterdams wirtschaftliche und maritime Bedeutung.
Die Restaurierung der historischen Fassade, der charakteristischen Fenster und der grünen Schiebetüren sorgt dafür, dass das Gebäude seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Das Highlight ist jedoch der sognannte „Tornado“ von MAD Architects: eine 30 Meter hohe Stahl- und Holzskulptur mit Doppelhelix-Treppe. Dieses imposante Gebilde nimmt Besucher:innen bereits von außen in Empfang und gilt als Symbol für Bewegung und Aufbruch.
Zur Eröffnung zeigte das Museum unter anderem die Ausstellung „Alle Richtungen“, in der über 150 Kunstwerke und Objekte aus der FENIX-Sammlung, die Migration auf vielfältige Weise thematisieren – darunter ein UNHCR-Zelt, ein Fragment der Berliner Mauer und ein Nansen-Pass von 1923. Zudem wurden Mitglieder der lokalen Gemeinschaft eingeladen, persönliche Gegenstände beizusteuern, um ihre eigene Geschichte und ihre Reise in eine neue Heimat zu erzählen. Die Ausstellung ist weiterhin geöffnet und kann besucht werden.
Im Erdgeschoss des FENIX befindet sich das Kofferlabyrinth: eine interaktive Installation aus 2.000 gespendeten Koffern aus aller Welt. Jeder einzelne steht für eine persönliche Geschichte von Aufbruch, Abschied und Neuanfang – und macht Migration als zutiefst menschliche Erfahrung spürbar. Die Sammlung reicht von großen Lederkoffern des frühen 20. Jahrhunderts über Rucksäcke und Hutschachteln bis hin zu modernen Rollkoffern, die noch bis vor Kurzem in Gebrauch waren. Manche dieser Gepäckstücke wurden über Generationen weitergegeben, andere kehren nach jahrzehntelangen Reisen erstmals an ihren ursprünglichen Abfahrtshafen Rotterdam zurück.
Besucher:innen können die Geschichten über eine interaktive Audioführung erleben und werden so auf eine emotionale Reise durch Liebe, Verlust, Hoffnung und Heimkehr mitgenommen. Ergänzt wird das Labyrinth durch Kunstwerke wie Alfredo Jaars Neoninstallation „Kindness of Strangers“, die die globalen Migrationsrouten visualisiert und verdeutlicht, dass Migration selten geradlinig verläuft, sondern von Umwegen, Unterbrechungen und der Menschlichkeit Fremder geprägt ist.