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Der Freiraum von Rene Träger

3 min Lesezeit

Substantiv, zusammengesetzt, männlich. Der Freiraum.
Eigentlich ein paradoxer Begriff. Ein Raum bedeutet Begrenzung.
Wände definieren, wo der Raum anfängt, wo er aufhört – was zum Raum gehört und was außerhalb liegt.
Wände, Mauern, Zäune – das alles ist das Gegenteil von Freiheit.

Freiheit bedeutet Grenzenlosigkeit. Wie passt das zusammen?
Der Freiraum? Wie viel Freiheit wird eingeräumt?
Freiräume sind keine Räume, in die man Tische stellt.
Freiräume haben keine Tapeten.
Freiräume lassen sich nicht mit einem Zollstock ausmessen. Freiräume sind Möglichkeiten.
Freiräume sind imaginär.

Freiräume sind in unserem Kopf.
Freiräume sind das Spielbrett, auf dem wir uns bewegen.
Andere können uns Freiräume geben.
Und vor allem können wir uns Freiräume nehmen.
Freiräume haben viel mit unserer Wahrnehmung zu tun.
Manchmal sind wir allzu kurzsichtig. Die Ferne erscheint uns unscharf, neblig, bedrohlich gar.
Dann machen wir nur kleine Schritte, sind vorsichtig, nutzen nur einen minimalen Radius.
Dann bauen wir selbst Mauern und reden uns ein, dass sie von anderen stammen,
dass sie unumstürzbar sind.

In uns gibt es aber einen Drang, mal intensiver, mal weniger intensiv, diese Mauern einzureißen, Möglichkeiten zu schaffen, zu gestalten, zu wachsen, sich zu entwickeln. Übrigens: Nicht immer müssen Wände eingerissen werden, um den Freiraum zu vergrößern. Oftmals reicht es schon, ein bisschen Abstand zu nehmen. Der Blick ist direkt ein anderer und der Raum wird größer. Der Freiraum: ein Substantiv, zusammengesetzt, männlich. Ein Wort. Nichts weiter. Entscheidend ist, was wir daraus machen. Freiräume entstehen im Kopf.

www.renetraeder.de

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