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Der Markusdom: Ein prunkvolles Stück Geschichte #veniceclassics

3 min Lesezeit

Im Osten des Markusplatzes, umgeben von gurrenden Tauben, menschengesäumten Gassen und gut besuchten Traditionscafés erhebt sich prachtvoll und strahlend der Markusdom in Venedig. Seine Geschichte ist ereignisreich und seine Architektur ein Vorbild für die späteren Bauten Bramantes und Michelangelos. Heute gilt die byzantinische Kirche mit ihren beeindruckenden Kuppeln, Kunstschätzen und Mosaiken als eine der prächtigsten der Welt.

 

Markusdom mit #veniceclassics Logo

Bewegte Historie

Ursprünglich wurde der Markusdom im 9. Jahrhundert unter dem Dogen Giovanni I. Particiaco als letzte Ruhestätte für den heiligen Evangelisten Markus errichtet, dessen sterbliche Überreste von Ägypten nach Venedig geschmuggelt wurden. 976 fiel die Kirche bereits einem Feuer zum Opfer, das von Aufständigen im Dogenpalast gelegt wurde. Der heutige Markusdom entstand zwischen 1063-1094 als Stiftung des Dogen Domenico Contarini und wurde bis zum Jahr 1617 mehrfach umgestaltet. Eine Legende besagt, dass die bei dem Brand verloren gegangenen Überreste des Heiligen Markus auf wundersame Weise am 25. Juni 1094 wiedergefunden wurden – dieser Tag gilt seitdem als Feiertag "Inventio Sancti Marci". Bis zum Ende der Republik Venedig 1797 war der Markusdom das zentrale Staatsheiligtum und Privatkapelle des Dogen – seit 1807 gilt er als die Kirche des venezianischen Patriarchen.

Darstellung des Evangelisten Markus im Lorscher Evangeliar, karolingische Buchmalerei, um 810

Architektonische Meisterleistung

Ein griechisches Kreuz bildet den Grundriss des Markusdoms (76,5 m Länge und 62,6 m Breite), dessen westlicher Arm etwas länger und breiter ist. Überwölbt wird das Kreuz von insgesamt fünf prächtigen Kuppeln, zwei von ihnen größer als die übrigen drei. An seiner Südseite grenzt der Markusdom zudem an den Dogenpalast, der als Regierungssitz diente. Aufgrund der engen Verbindung der zwei Handelszentren Venedig und Byzanz arbeiteten die Künstler zumeist im byzantinischen Stil, so dass die heute nicht mehr existierende Apostelkirche Konstantinopels als Vorbild gedient haben könnte. Auch die zwischen 1231-1253 ergänzte Vorhalle zeigt diese Verbindung deutlich, während die Anbauten des 14. Jahrhunderts bereits im gotischen Stil errichtet wurden.

Grundriss des Markusdoms
Markuslöwe
Der Markuslöwe
fünf Kuppeln des Markusdoms
Die fünf Kuppeln des Markusdoms: Hauptkuppel über der Vierung und vier Kuppeln über den Kreuzarmen

Fassadenreichtum

Die aufwendig gestaltete Fassade des Markusdoms ist in zwei Stockwerke unterteilt und durch fünf Portale mit Mosaikschmuck verzierten Bögen gegliedert. Besonders imposant ist die nördliche Porta Sant'Alipio, die ein Abbild des Markusdoms aus dem 13. Jahrhundert zeigt. Auch der Markuslöwe ist an der Fassade zu sehen, denn er befindet sich im Giebelfeld des mittleren, größeren Bogens. Er war das Symbol für den Evangelisten Markus und bis heute für die Stadt Venedig, dessen Wappen er ziert. Darüber hinaus ist die Fassade mit reichlich Marmor geschmückt, unzählige Säulen aus Jaspis, Serpentin und Alabaster sowie Skulpturen aller Arten zeugen von der hohen Repräsentanz des Gebäudes.

Thronende Pferde

Die vergoldeten Bronzepferde von San Marco sind Teil einer Quadriga, Viergespann, und standen kurz vor der Einschmelzung bevor man sich ihrer Bedeutung bewusst wurde. Sie befanden sich ursprünglich auf dem Triumphbogen Kaiser Neros in Rom. Heute zieren Kopien dieser Beutestücke aus Konstantinopel die Galerie im oberen Stockwerk des Markusdoms, denn nach ihrer Restaurierung in den 1960er-Jahren wurden sie im Museo Marciano ausgestellt. Dabei fiel auch auf, dass der Goldbezug bereits vor langer Zeit eingeritzt wurde, um eine zu starke Blendung in der Sonne zu verhindern und einen lebensechten Eindruck zu erwecken. Außerdem wurden die Pferde anders als angenommen nicht aus Bronze, sondern zum Großteil aus Kupfer gefertigt, da er sich leichter vergolden lässt. Bei der Restauration sind die Pferdestatuen außerdem falsch zusammengebaut worden, so dass ihre Köpfe nicht wie ursprünglich nach außen zeigen, sondern zueinander geneigt sind.

Petar Milošević, Carigrad horses, CC BY-SA 3.0

Innere Schönheit

Eindrucksvolle, glänzende und imposante Mosaike zieren den Innenraum der Kirche – von der Decke bis zum Boden. Insgesamt bedecken sie eine mehr als 8000 m² große Fläche und gelten somit als eines der größten zusammenhängenden Mosaike der Welt. Unterteilt wird der Raum von vier großen Pfeilern und sechs Säulen, so dass drei Schiffe entstehen. Die eigentliche Bausubstanz von San Marco ist Ziegelstein auf dem ein oder zwei Schlämmschichten aus Zement aufgebracht wurden. Eine farbige Skizze der geplanten Szene wurde auf den noch feuchten Putz angebracht, woraufhin die einzelnen Mosaiksteine (tessarae) zu zwei Dritteln ihrer Höhe in den Mörtel gedrückt wurden. Anstatt bunter Steinchen wie in der Antike verwendete man zur Herstellung der „tessarae“ Platten aus gefärbtem Glasfluss. Teilweise wurden Gold- und Silberfolien in farbloses Glas eingeschmolzen und mit unterschiedlichen Neigungswinkeln eingefügt, um das Spiel mit dem Licht und seinen Reflexen lebendiger werden zu lassen.

Christian Rosenbaum, Markusdom Innenraum von der Empore, CC BY-SA 3.0 DE

In den letzten Jahren hatte Venedig immer wieder mit Hochwasser zu kämpfen. Im November 2019 stieg das Wasser sogar auf 1,87 Meter – die Höchstmarke seit 1966. Dabei wurde die Krypta geflutet, was zu statischen Problemen führte und auch die zahlreichen Mosaike sowie das Mauerwerk werden von dem Salzwasser angegriffen. Daher soll der Markusdom nun mit einem 1,20 hohen Ring aus Glasplatten geschützt werden und ihn so bis zu einem Flutpegel von zwei Metern über normal gegen Überschwemmung schützen.

BerührungsPUNKTE wird auch in diesem Jahr wieder zu seinem Meetingpoint in Venedig im Rahmen der Eröffnungswoche der Architekturbiennale einladen. Wir freuen uns jetzt schon und halten Sie natürlich auf dem Laufenden.

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