BerührungspunkteBerührungspunkte

Wie entstehen Unikate in Serie?

4 min Lesezeit

Handgetöpfertes Geschirr von KH Würtz

Handgetöpfertes Geschirr von KH Würtz

Handwerk hat immer etwas Originäres – so auch bei der Keramikmanufaktur KH Würtz. Und dennoch müssen die dort gefertigten Teller, Schüsseln und Schalen Qualitäten einer seriellen Produktion aufweisen. Restaurants der Spitzenklasse präsentieren ihre Speisen auf ihnen, setzen sie aber auch dem durchgetakteten Gastronomiebetrieb aus. Wir haben nachgefragt, warum die Menschen momentan das Ursprüngliche wieder schätzen und wie der Spagat zwischen Unikat und industriellen Anforderungen gelingt.

Die Teller, Schalen und Schüsseln der Keramikmanufaktur KH Würtz faszinieren – ihre elementaren Formen, ihre dezentfarbige Glasur, die durch eingebrannte Sprenkel und feine Verläufe eine besondere Lebendigkeit erhält. Gerade Letzteres macht aus jedem Teil ein Unikat. Dreht man das Geschirrteil um, entdeckt man neben dem Stempel der Manufaktur auch die Signatur des Drehers. Sie ist der letzte Beweis, dass dieses Produkt manuell getöpfert wurde.

Damit bedienen Kasper und Aage Würtz – die Inhaber von KH Würtz – den Wunsch vieler Menschen nach dem Ursprünglichen. Die Trendforscherin Gabriela Kaiser erklärt, warum das so ist: „Wir leben in einer Zeit, in der nahezu alles industriell hergestellt wird. Oft kennen wir die Produktionsverhältnisse gar nicht mehr. Genau deswegen sehnen wir uns nach Handgemachtem, Ursprünglichem. Besonders bei so einem elementaren Thema wie Essen wünschen wir uns Transparenz. Andere Bereiche ziehen aktuell nach.“

Es war dieser Zeitgeist, der Aage Würtz dazu veranlasste, in den frühen 2000er-Jahren nach über zehn Jahren Pause sein Keramikstudio wieder zu eröffnen. Nach seiner Ausbildung in den 1970er-Jahren in Dänemark und Großbritannien gründete er Anfang der 1980er-Jahre seine eigene Werkstatt. Doch die Menschen bevorzugten immer mehr minimalistisches, klinisch weißes Porzellan, sodass er Ende des Jahrzehnts die Arbeit einstellte.

Die Leidenschaft für Keramik und das Töpfern aber blieb. Als die Zeit für den Neustart reif war, holte Aage Würtz sich Unterstützung durch seinen Sohn Kasper. Dieser studierte zu dem Zeitpunkt Literatur. Kasper ließ sich von dem Mut und der Unerschütterlichkeit seines Vaters anstecken. Heute ist er Spezialist für Glasurtechniken und maßgeblich für das Erscheinungsbild der Keramik verantwortlich.

Die Spezialisierung der einzelnen Mitarbeiter ist ein weiteres Erfolgsrezept von KH Würtz. Jeder der aktuell drei Mitarbeiter ist verantwortlich für einen Teil der Formen. In einigen Fällen weiß nur er, wie eine bestimmte Form gedreht wird. So kann die gleichbleibende handwerkliche Qualität sichergestellt werden. Gleichzeitig zeigt sich darin das Selbstverständnis der Manufaktur: Das Team versteht sich als Workshop, seine Arbeit als schöpferischen Prozess.

Viele der Formen sind in Zusammenarbeit mit Auftraggebern entwickelt worden – Restaurants, Innenarchitekten und Privatkunden. Neben der Produktion für den Verkauf in ausgesuchten Geschäften für Interior Design ist die Auftragsarbeit ein wichtiges Standbein. Der Kunde erhält so exakt das Produkt und die Qualität, die er benötigt. Aage und Kasper Würtz lassen sich im Gegenzug davon inspirieren und formen so ihren eigenen Stil – offen für Neues, kompromisslos in der Sache.

Fotos: sigmar, London

Live erlebbar und käuflich zu erwerben sind die wunderbaren Stücke zum Beispiel in Berlin:
AM Möbel + Architektur
www.andreasmurkudis.com

www.khwurtz.dk
www.trendagentur.de

Magazin bestellen