Literaturtipps

Die Stadt im Wasser inspiriert und fasziniert. Wie kaum eine andere Stadt ist Venedig Hauptdarstellerin unzähliger Veröffentlichungen – vom Bildband bis zum Roman, vom Reiseführer bis zum Stadtplan –, gelesen und angeschaut von Venedig-Liebhabern auf der ganzen Welt. Wir haben für Sie eine Auswahl getroffen – um Lust auf diese Stadt und die Architekturbiennale zu machen. Alle genannten Titel finden Sie auf unserem Büchertisch in unserem Meetingpoint.

Venedig literarisch

Romane über Venedig gibt es natürlich viele. An erster Stelle Klassiker wie Thomas Manns „Der Tod in Venedig“, Shakespeares nicht minder tragischer „Kaufmann von Venedig“ oder die auch als Film bekannt gewordene Geschichte „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Heutige Autoren sind weniger morbide und schöpfen oft aus der eigenen Biografie, so zum Beispiel die deutsche Journalistin Petra Reski. Sie wohnt schon seit einer geraumen Weile in Venedig. Nun steht ein runder Geburtstag an und sie erwartet Besuch von ihrer Mutter, mit der sie alleine – der Vater verunglückte jung im Bergbau – im Ruhrgebiet aufwuchs. Ebenfalls erwartet werden Onkel und Tanten, die im Ruhrgebiet zu Hause, aber als Kriegsflüchtlinge immer noch in Schlesien beheimatet sind. Und während in Venedig die Vorbereitungen und schließlich das Fest selber voranschreiten, wird in Gedanken, Gesprächen und Familientraditionen immer wieder die Brücke zwischen den drei geografischen Polen geschlagen. Diese Konstellation hebt das Buch „Meine Mutter und ich“ von anderen Erlebnisberichten aus der Lagunenstadt ab und erlaubt freie Assoziationen über Verbindendes (beispielsweise das Vergängliche) und Trennendes (das Ländliche, das Städtische und das Industrielle). Wer über „Venedig pur“ lesen will, dem sei noch „Leben in Venedig“ von Dirk Schümer empfohlen, ebenfalls ein deutscher Journalist, der lange Zeit in der Lagunenstadt lebte. Er beschreibt in 54 Geschichten und Charakterstudien den Alltag und das Leben der Venezianer abseits der Touristenattraktionen.

Venedig kriminell

Bei Krimis aus Venedig kommt einem natürlich sofort Donna Leon in den Sinn – wieder eine ausländische Autorin (in diesem Fall eine Amerikanerin), die sich in der Stadt niedergelassen hat und sie als Schauplatz für ihre inzwischen 20 Kriminalgeschichten nutzt. Hauptdarsteller und Publikumsliebling ist Commissario Brunetti, der oft daran verzweifelt, dass er zwar den Schuldigen kennt, ihn aber nicht immer dingfest machen kann. Denn gerade in Venedig – der Stadt auf dem Wasser – scheint es unmöglich zu sein, den Sumpf trockenzulegen. Eine Tragik, die auch in der Realität immer wieder bestätigt wird – wie Regine Igel in ihrem Buch „Das andere Venedig: Wahre Kriminalgeschichten aus der Lagunenstadt“ darstellt. Sie beschreibt sechs spektakuläre Kriminalfälle aus den letzten Jahrzehnten, verknüpft sie mit Personen und Begebenheiten aus der Fiktion und lässt den Leser in die Abgründe der venezianischen Seele blicken.

Venedig touristisch

Reiseführer über Venedig gibt es fast noch mehr als Romane. Und früher oder später landet jeder zu Recht auf Venedigs touristischem Zentrum – dem Markusplatz mit Campanile und Dogenpalast. So auch Rainer Maria Rilke, der zwischen 1897 und 1920 viele Male die Stadt bereiste – und dabei mit dem Blick des Dichters ganz genau hinschaute. Birgit Haustedt führt uns mit ihrem Buch „Mit Rilke durch Venedig“ auf die Fußspuren Rilkes. Elf Spaziergänge führen den Leser – und Venedigreisenden – an die Orte, die einst auch Rilke besuchte und die ihn zu Gedichten und Studien inspirierten. Diese an den Originalschauplätzen zu lesen bringt einem die Stadt und den Dichter gleichermaßen nahe. Ebenfalls eine Einladung, Venedig etwas anders kennenzulernen, ist das Buch „Venedig ist ein Fisch“ von Tiziano Scarpa, ausnahmsweise ein waschechter Venezianer. Er fordert uns auf, Venedig mit unserem Körper und seinen Sinnen zu erleben. Dabei lenkt er Fuß, Herz und Auge, um drei von neun Wahrnehmungsarten zu nennen, nicht nur auf die klassischen Touristenpfade. Tut er es einmal doch, sorgen kleine Anekdoten, literarische Zitate und Details dafür, die bekannten Orte noch einmal anders wahrzunehmen. Wer alles über La Serenissima wissen möchte, dem sei „Venedig. Die Biographie“ empfohlen. Peter Ackroyd lässt auf fast 600 Seiten die gesamte Geschichte der Stadt lebendig werden. Durch die unterhaltsame Vermittlung der Fakten gelingt es ihm, nicht nur die Historie der Stadt, sondern auch ihren Charakter zu beschreiben.

Venedig architektonisch

Venedig ist Architektur – der Zauber der ungewöhnlichen Bauweise im Wasser macht Venedig aus. Doch warum Venedig so aussieht, wie es aussieht, erfahren wir in „Venedig: Von der Kunst eine Stadt im Wasser zu bauen“ von Norbert Huse, Professor für Kunstgeschichte. Er beschreibt in seinem reich, teils farbig, bebilderten Taschenbuch die Zwänge und Herausforderungen, die dieser Umstand allen Beteiligten – Architekten, Bauherren, Politikern etc. – auferlegt, von den Anfängen bis in unsere heutige Zeit. Denn auch heute wird natürlich in Venedig gebaut. Wo sich diese neue Architektur zwischen Renaissance-Palazzi, Kirchen und alter Industrie versteckt, zeigt die Karte „Neue Architektur in Venedig“. Ein Wegweiser zu neuer, aber auch historischer Architektur in der Lagunenstadt, die nicht zuletzt mit der Architekturbiennale versucht, ihrem Image als Museumsstadt entgegenzuwirken. Steht dieses Jahr das Gemeinsame im Vordergrund der Architekturbiennale, war das Motto der letzten Veranstaltung „People meet in Achitecture“. Der Deutsche Pavillon, kuratiert von Cordula Rau, Eberhard Tröger und Ole W. Fischer, widmete sich der Sehnsucht als Triebfeder kreativen Architekturschaffens. Der gleichnamige Katalog macht Lust auf den Architekturdiskurs und weitet mit einer Collage an Fotos, Bildern und Textbeiträgen den Horizont über das Alltägliche hinaus. Eine gute Einstimmung auf den Besuch in Venedig und die Gelegenheit, sich erneut mit den Ideen hinter der Architektur zu beschäftigen.