BerührungspunkteBerührungspunkte

Alte Schale trifft modernen Kern

6 min Lesezeit

Ein Platz zwischen zwei historischen Bahngebäuden wird zum lebendigen Zentrum im neu entwickelten

Glückstein-Quartier in der Nachbarschaft des Mannheimer Hauptbahnhofs.

Ein modernisierter Lokschuppen neben Bahngleisen

Lokschuppen Mannheim

Die in den 1870er-Jahren als Lokschuppen und Werkstattgebäude errichteten Gebäude zählen zu den ältesten Bestandteilen des alten Bahnhofs und werden nun als Teil der gemischten Nutzung des neuen Viertels reaktiviert. Während das Werkstattgebäude gastronomische Funktion übernehmen wird, hat sich im restaurierten Lokschuppen bereits 2018 das Büro von Architekt Matthias Jarcke eingerichtet.
Zuvor hatte das Büro selbst die Sanierung und Umnutzung des denkmalgeschützten Baus übernommen.

„Wir wollten die Spannung zwischen der modernen Architektur und der alten, rauen Hülle erhalten.“
Matthias Jarcke

In seiner Form eine einfache Halle, zeichnet sich der Lokschuppen durch seine Fassade aus regelmäßig gemauertem Buntsandstein aus. Die langen Seiten werden durch Sandstein-Lisenen klar strukturiert. In Richtung Norden geben zwischenliegende Fenster den Blick auf den Mannheimer Bahnhof frei. An beiden Giebeln öffnen drei große ehemalige Ein- und Ausfahrtstore den Bau, mittig über ihnen ein symmetrisch gesetztes Rundfenster. Am Ortgang ziert Stufenornamentik den Giebel. Die sichtbare Dachkonstruktion mit ihren vielzähligen Holzbalken sorgt im Innern des umgenutzten Baus auch nach der Renovierung für Altbau- und Industrie-Charme. Das lange Oberlicht im Firstbereich speist die Räume mit Tageslicht.

Der Lokschuppen stammt aus den Anfangstagen der Mannheimer Eisenbahngeschichte. Ursprünglich wurden hier auf drei Ständen mit 50 Metern Länge Dampflokomotiven gewartet. Gleise führten durch die langgezogene Halle. Die gemauerten Längsgruben, von denen aus die Wartungsarbeiten von unten durchgeführt werden konnten, sind heute noch erkennbar. Für die Ein- und Ausfahrt der Loks wurden die großen Stahltore an den Giebelseiten geöffnet. Der Bau war eines der ersten Gebäude im seinerzeit weitgehend noch unbebauten Stadtteil Lindenhof, wo derzeit der Aufbau des Glückstein-Quartiers in vollem Gange ist. 

Türdrücker für Rahmentüren FSB 1245
Aus der Reihe:

BEGEGNUNG [#36] oder: Was könnte Sie treffen?


Mehr zu diesem Thema

So übernahm er damals neben seiner technischen Rolle auch ganz alltägliche Funktionen für die rasch steigende Zahl der Einwohner des jungen Viertels. Da es noch keine Wasserversorgung gab, mussten die Lindenhofer Bürger ihr Trinkwasser einmal in der Woche am Brunnen im Lokschuppen holen. „Wir wollten die Spannung zwischen der modernen Architektur und der alten, rauen Hülle erhalten“, so Architekt Matthias Jarcke zum Ansatz des Büros.

Alte Mauern, neuer Anspruch

Der Wunsch der Architekten war es, bei ihrer Umnutzung das geschützte Kulturdenkmal, das für den Stadtteil von so gewichtiger Bedeutung war, bestmöglich zu erhalten. Einerseits geht es dabei natürlich um ein Stück gebauter Industrie-
geschichte. Andererseits ging es dem Architekten natürlich auch um den bestmöglichen Raum für sein Büro.

Um einen inspirierenden Ort für die kreative Arbeit zu schaffen, schien ihm die Spannung zwischen der modernen Architektur der Innenräume und der „alten, rauen Hülle“ des Lokschuppens genau das Richtige. Sein Konzept orientiert sich am offenen Hallencharakter des Bestands und integriert unter anderem mit der sichtbaren Dachkonstruktion und ihrem Holztragwerk auf Stützpfeilern den industriellen Kern der ursprünglichen Architektur.

Türdrücker FSB 1244 als WC-Garnitur

Zwei Jahre benötigte das Team um Matthias Jarcke für die behutsame Revitalisierung des Lokschuppens. Vorsichtig reinigte man Sandstein-Mauerwerk und Holzbalken und konnte die Substanz so komplett bewahren. Die immensen eisernen Tore vor den Einfahrten zum Lokschuppen wurden ebenfalls restauriert. Doch trotz aller Umsicht dem denkmalgeschützten Bestand gegenüber war es den Architekten, die ja auch die neuen Nutzer des Hauses sind, selbstverständlich wichtig, alle zeitgemäßen Ansprüche an ein heutiges Bürogebäude zu erfüllen. Das beeindruckende Oberlicht im Dachstuhl beispielsweise wurde durch eine moderne Lamellen-Verglasung ausgetauscht und bringt so gefiltertes Licht in die Räume, das besonders angenehmes Arbeiten ermöglicht.

Glastürbeschlag 13 4220 mit Türknopf 0829

Für mehr Bürofläche in der hohen Halle sorgt eine in Teilen des Gebäudes eingezogene Zwischendecke, die im Zentrum des Gebäudes viel vom ursprünglichen Freiraum erhält. Jarcke Architekten stehen nun insgesamt 800 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Als Griffe, die zeitgemäß in Form und Technik sind und sich dabei dennoch gut in Baudenkmalsituationen einfügen, ohne sie zu stören, haben die Architekten das Modell FSB 1244 gewählt. In gestrahltem Aluminium und schwarzer Eloxierung ist es als Fenstergriff, WC-Garnitur, Rahmentürbeschlag, Türdrückergarnitur und an den neuen Glastüren in den beeindruckenden großen Einfahrtstoren als Glastürbeschlag verbaut.

Hier finden Sie mehr zur Referenz.

Fotos: Daniel Vieser Architekturfotografie, 
Karlsruhe, dv-a.de

Fenstergriff mit ovaler Rosette FSB 1244
Modernisierter Lokschuppen Innenaufnahme
Magazin bestellen