Auch wenn du ein Render-Profi bist, gilt: Nichts kann in der Präsentation überzeugender sein als ein gutes Modell.
Es lohnt sich also, diese Disziplin wohlüberlegt und mit viel Herzblut anzugehen!
Mit diesen Tipps wird der Modellbau nicht zum Stressfaktor kurz vor der Präsentation:

1. Planung
… ist alles! Als Architekt*in musst du sowieso im Projektmanagement fit sein – bei der Erstellung deines Modells kannst du dies schon mal üben: Welcher Maßstab und Abstraktionsgrad ist geeignet? Gibt es zu öffnende Teile, über die das Innenleben dargestellt wird? Sind klassische Materialien die beste Wahl für dein Modell oder eignet sich dein Entwurf für eine originell-künstlerische Darstellung mit ungewöhnlichen Materialien? Übrigens: Eine extreme Abstraktion kann nicht nur den Modellbau dramatisch vereinfachen, sondern auch konzeptionell zum Highlight werden – wenn sie gut gemacht ist.

2. Zeitaufwand
… mehr, als du denkst! Ein gutes Zeitmanagement ist alles – du wärst nicht der oder die Erste, die sich beim Aufwand verschätzt! Überlege realistisch, wie viel Zeit du für die einzelnen Arbeitsschritte benötigst. Vielleicht möchtest du mit speziellen Materialien arbeiten, die einige Tage Lieferzeit haben? Und kannst du alles alleine stemmen oder benötigst du Hilfe von Freunden – zum Beispiel wenn 100 kleine Fenster ausgeschnitten werden müssen?

3. Kosten
… darf es etwas weniger sein? Damit es keine bösen Überraschungen gibt: Bei der Materialwahl kannst du auch schon die Kosten im Blick behalten. Ein gutes Modell muss nicht teuer sein – mit einer originellen Darstellung hebst du dich von der Masse ab und kannst punkten!

4. Präsentation
… es lebe die Skizze! Wenn es Sinn macht, den Prozess deines Entwurfs darzustellen und du brauchbare Arbeitsmodelle hast, bring diese doch auch zur Präsentation mit – für dein Publikum bzw. die Prüfer kann es durchaus interessant sein, deine Gedankengänge daran nachzuvollziehen.

 

Besonders filigran: Mit 3D-Druck können auch feinste Strukturen präzise dargestellt werden.

Nicht mehr selber basteln: Modelle aus dem 3D-Drucker
Über die Ästhetik eines 3D-Druck-Modells kann man sicher streiten. Über den Zeitfaktor nicht! Seit kurzem gibt es auch 3D-Farbdruck-Verfahren – falls Farbe in deinem Entwurf eine tragende Rolle spielt, ist diese Variante sicher eine Überlegung wert.
Gedruckt wird mit Kunststoffen, die auch mit anderen Materialien gemischt werden können, zum Beispiel mit Holz, Carbon, Steinmehl, Metall oder sogar Leuchtstoffen. Inzwischen gibt es auch neuartige Biopolymere auf Basis rein natürlicher Ausgangsmaterialien. Die Kosten musst du gezielt mit dem Dienstleister besprechen. Zur Orientierung: Ein einfaches Einfamilienhaus mit einer Grundfläche von ca. 15 x 15 cm kostet ab ca. 150 Euro. Den Preis beeinflusst unter anderem, ob Fenster zum Beispiel als richtige Öffnung oder mit einer geschlossenen Fläche dargestellt werden – bei der Produktion als Öffnung werden Innenräume und Fußböden benötigt, um eine nachvollziehbare Darstellung zu erhalten.

 

Ausdrucksvoll: Studierende am Fach Modell+Design an der Technischen Universität Berlin experimentieren mit unorthodoxen Materialien. Foto: Modell+Design, TU Berlin

 

 

Ungewöhnlich überzeugend
Einfach mal den Kopf freimachen und die Graupappe links liegen lassen – auch Ungewöhnliches kann sich für den Modellbau eignen: Ob Linoleum, Lego oder Fundstücke (man-made oder natur) – es lohnt sich, ausgefallene Materialien einzusetzen. Diese kannst du gekonnt mit klassischen Modellbaumaterialien kombinieren oder als konsequentes Konzept für dein gesamtes Modell anwenden. Ein Wow-Effekt ist garantiert!

 

 

 

 

Hervorheben: Terrassierungen (Neubau, in MDF) sind ein zentrales Element beim Ideenentwurf für das Zentrum für ökologische und urbane Landwirtschaft, das aus einer ehemaligen Zigarettenfabrik umgebaut werden soll (Bestand, in Beton). Foto: Modell+Design, TU Berlin

 

Macht Eindruck: Beton
Monolithische Entwürfe, die in realiter aus Beton sein sollen, können auch im Modell aus ebendiesem hergestellt werden. Dazu eignet sich Feinbeton (Betongießpulver), den du im Modellbaubedarf oder auch im Baumarkt bekommst. Die Schalung kann zum Beispiel aus Styrodur gebaut werden (Achtung: klebt nur mit speziellen Klebstoffen!), als Trennmittel funktioniert Vaseline gut. Eine Alternative kann Modellgips sein, dieser ist allerdings etwas empfindlicher. In jedem Fall gilt: vorher unbedingt einige kleine Teststücke anfertigen – das Arbeiten mit einer Schalung und das Gießen erfordert ein bisschen Erfahrung.

 

CNC-gefrästes Stadtmodell (Maßstab 1:500) mit sensorisch steuerbarer LED-Beleuchtung (hergestellt am Fach Modell+ Design an der TU Berlin). Foto: Modell+Design, TU Berlin

 

 

Spot on
Eine Beleuchtung im Modell muss nicht kitschig sein – sondern kann Sinn machen, wenn Licht ein zentrales Element deines Entwurfs ist: zum Beispiel bei einer Medienfassade oder wenn ein beleuchteter verglaster Baukörper bei Dunkelheit eine bestimmte Wirkung erzielen soll. Mit LED-Technik kannst du deine Vorstellungen realisieren. Frag am besten jemanden, der sich damit auskennt!

 

 

 

À la Zumthor
„Architektur ist nicht abstrakt, sondern konkrete Materie“, meint Peter Zumthor*. Deshalb arbeitet er schon am Modell mit Gips, Ton, Holz, Wachs, Seife, Drähten, Steinen, Kohle, Kupfer, Filz, Ziegel und pflanzlichen Materialien. Die Wirkung ist authentisch, nah – und eben ganz besonders. Vielleicht auch was für dein Modell?
* Quelle Zitat: http://studylibde.com/doc/12786383/basisartikel-zu-peter-zumthor

 

Inspiration gefällig?

Bestellung über: info@1art-design.de 35€, zzgl. Versandkosten in Höhe von 6,50€


„Der Modellbau des Fachs Modell+Design an der TU Berlin beginnt dort, wo andere Modellbauer schon aufgehört haben.“ – Diese Selbsteinschätzung scheint nicht übertrieben, wenn man sich die Projekte der Berliner Modellbauer anschaut: vom Architektur-Modell einer isländischen Residenz, das in der Dauerausstellung im Architekturmuseum Reykjavik zu sehen ist, bis hin zum wandhängenden Städtebaumodell von ganz Berlin-Mitte aus Beton für den Hugo Boss Flagship-Store. Modellbau wird hier als eigenständige Disziplin gesehen, die an den Schnittstellen zu Wissenschaft, Kultur und Design besondere Qualitäten hervorbringt. Zu Inspirationszwecken am besten mal durch die Website stöbern: www.modellunddesign.de. Oder das Buch „MODELL architektur DESIGN“ bestellen, das inspirierende, ungewöhnliche und experimentelle Modelle von Student*innen zeigt.