Man sagt: „Die japanische Dichtung hat als Samen das menschliche Herz, und ihr entsprießen unzählige Blätter von Worten. Viele Dinge ergreifen die Menschen in diesem Leben: sie versuchen dann, ihre Gefühle durch Bilder auszudrücken, die sie dem entnehmen, was sie sehen und hören.“

HAIKU ist eine japanische Gedichtform, welche traditionell aus drei Gruppen von jeweils 5, 7, 5 Silben besteht. Zur Betonung dieser Form werden sie manchmal in drei getrennten Versen oder auch in einer Zeile, durch Zwischenräume geteilt, angeordnet. Als Versuch, das Gedicht noch kürzer, noch prägnanter zu machen, wurde im Lauf der Entwicklung eine bestimmte künstlerische Wirkung erzielt: die des Unvollendeten, Unausgesprochenen, Angedeuteten. Der Autor soll einen geringen Ausschnitt der sichtbaren Welt so darstellen, dass in ihm sowohl das Dargestellte selbst, wie das viel größere, dahinter liegende Hintergründige erkennbar wird.

Zur Einstimmung und Inspiration hier einige ausgewählte HAIKUS – vielleicht machen sie Lust auf einen Selbstversuch: zur Zerstreuung und Reflexion.

Zikaden

Keiner merkte, dass sie so bald schon sterben muss, der sie zirpen hört.

Mond und Wolken

Maienregen rinnt. Nur die Seta-Brücke graut aus dem Regendunst.

Der alte Teich

Alter Teich in Ruh. – Fröschlein hüpft vom Ufersaum, und das Wasser tönt.

Matsuo Basho (1643-1694)

Ahornblätter

Wie beneidenswert werden Ahornblätter schön, eh sie untergehn!

Kagami Shiko (1664-1731)