Eine Diplomarbeit über 1.000 meter höhe

„Der Gedanke, einmal in seiner Größe erfasst, kann nicht mehr verschwinden. Solange es Menschen gibt, wird auch der starke Wunsch da sein, den Turm zu Ende zu bauen.“ Franz Kafka

Es ist das höchste Gebäude der Welt. Vom obersten Stockwerk in 1.000 Meter Höhe blickt man beinahe spöttisch auf den 800 Meter hohen Hochhauskoloss Burj hinab, der unweit noch in seiner Bauphase verweilt. Der Entwurf eines 1.000 Meter hohen Gebäudes in der business creek bay in Dubai, in den Arabischen Emiraten: Das war die Diplomarbeit 2006, die Professor Krenz seinen Bochumer Studenten zu erarbeiten gab. Der damals 26-jährige Tobias Lotzien ging mit vollem Eifer ans Werk. Drei Monate feilte er an seinem 1.000-Meter-Haus und kam in der Endphase – wie alle Mitstreiter – mächtig ins Schwitzen. Das Resultat kann sich sehen lassen und brachte ihm eine glatte Eins. Sein Gebäude weckt ein großes Interesse. Das 1:2000 Modell, eingebettet in die städtebauliche Struktur Dubais, reiste viel und wurde auf der Messe DEUBAU in Essen und auf weiteren Ausstellungen bestaunt. Und jeder Betrachter assoziiert auf Anhieb das Gleiche – einen phallusartigen Baukörper. Was war also der Beweggrund einen 1.000 Meter hohen Phallus in die Metropole Dubai zu platzieren? Tobias Lotzien lächelt und sofort weiß man, dass er diese Frage nicht zum ersten Mal gestellt bekommt: „Mir ist die Wirkung bewusst, aber von vorn herein war die Form nicht geplant. Sie entstand vielmehr durch den Prozess der Formfindung.“ Und dieser Prozess ist in erster Linie sehr rational erklärbar. Durch die Berücksichtigung bauphysikalischer Kennwerte entstand auf praktischem Wege die auffällige Ästethik. Ein quadratischer Grundriss bot den arabischen Wüstenwinden zu viel Angriffsfläche. Somit schmolzen die mächtigen Kanten der ersten Entwürfe und das Gebäude fand nach und nach zu seiner optimalen Form.

Das Thema Formfindung spiegelt sich auch im Namen „maluma“ wieder. Ende der zwanziger Jahre fand der deutsche Forscher Wolfgang Köhler heraus, dass den Fantasiewörtern „Takete“ und „Maluma“ intuitiv immer die Selben grafischen Formen zugeordnet werden. Dieses Testverfahren führte er weltweit durch. Das Wort „Takete“ wird als eckige, spitze Figur und „Maluma“ als eine weiche, runde Form gesehen. Maluma beschreibt folglich die runde, anschmiegsame Form der konzipierten Gebäudehülle von Tobias Lotzien.

Bei einem so gigantisch hohen Gebäude ergibt sich eine Menge Fläche, die genutzt werden möchte. Aber weitaus aufwendiger scheint die Planung der Erschließung zu sein. Drei große Bahnhöfe auf den Höhenquoten 200, 500 und 800 Metern bieten komfortable Umsteigemöglichkeiten zu den zahlreichen Etagenwelten.

Eine facettenreiche und durchdachte Erschließung ist auf jeden Fall gegeben. Bei so vielen Quadratmetern darf auch alles Mögliche und Unmögliche Einzug erhalten. Selbst in der schmal zulaufenden Spitze des Turms, in einer Höhe von 935 Metern, ist mehr als genug Platz vorhanden. Dort staffelt sich ein Oasenspektakel mit Grünflächen, Cafés, Restaurants und Clubs auf einem Durchmesser von immer noch 90 Metern.

Und was denkt der diplomierte Architekt nun rückblickend über seine Zeit als Student? „Das Studium machte Spaß, aber man hat Federn gelassen!“ Nun macht er genau das, wofür er im Grunde schon immer Feuer und Flamme war, wie er zugibt. Design war schon immer sein wahres Faible und mit „vektor-x“ beschritt er den Weg in die Selbstständigkeit im Bereich der 3D-Visualisierung. Eine Leidenschaft, die sich wie „maluma“ sehen lassen kann.

Dipl.-Ing.Tobias Lotzien www.vektor-x.de