Titel: Our Products

Kuratorin: Susanne Pfeffer

Künstlerin: Pamela Rosenkranz

Nach Valentin Carron und Thomas Hirschhorn gibt sich in diesem Jahr die junge Künstlerin Pamela Rosenkranz die Ehre, ihren Beitrag zur Kunstbiennale im Schweizer Pavillon zu leisten. Die 34-jährige ist das enfant terrible der Schweizer Kunstszene – und international. Sie hat sich systematisch in den Kunsthimmel der internationalen Szene geschwungen – nicht ohne auf Ratlosigkeit, Ablehnung aber eben auch viel Zuspruch zu stoßen.

Haut und Wasser: Our Products

Es geht ihr um Konsumwut, Sportwahn und plastische Chirurgie, sie nährt ihren Intellekt mit Informationen aus der Natur, Medizin und Philosophie und ihr Vorwurf an die Gesellschaft lautet „zunehmender Autonomieverlust“. Pamela Rosenkranz möchte zur Reflexion ermutigen. Eine Reflexion über den Wert des menschlichen Körpers und seine Stellung in der Gesellschaft. „Der menschliche Körper wird immer stärker zum „Material“, das sich den gesellschaftlichen Normen entsprechend formen lässt.“ Im Pavillon erwartet uns ein raumfüllendes Becken, das mit über 100.000 Litern hautfarbener Flüssigkeit gefüllt ist. Das Blubbern dieser Haut-Suppe stellt zusammen mit computergenerierten Sounds, dem Verstäuben eines selbst kreierten Parfums, einem synthetischen Moschusduft, und grünes Licht, das sich mit natürlichem mischt, die Installation dar, mit der die Künstlerin ihrer Message Ausdruck verleiht. Wahrnehmung mit allen Sinnen ist hier angesagt und „Spekulativer Realismus“ lautet diese neue Kunstrichtung, die als endgültiger Ausstieg aus der Postmoderne gilt.

 

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In einer Arbeit von 2014 stellte Pamela Rosenkranz in einer Galerie Aluminiumtafeln an die Wände und bemalte sie mit ihren Händen unter Einfluss von Viagra mit einer hautfarbenen Masse. Die Röte, die ihr während der Arbeit ins Gesicht stieg (als Nebenwirkung?), ließ sie über die Produzierbarkeit von Scham nachdenken. So – und beispielsweise mit mit „Haut-Suppe“ gefüllten Wasserflaschen – setzt sie sich mit den für sie relevanten Themen auseinander und konfrontiert abstrakt und zugleich schonungslos den Betrachter mit ihrer Sicht der Dinge.

 

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Moschusduft und Renaissance

Der ganze Pavillon ist ein Ort, an dem die Wahrnehmung im Zentrum steht: Die Farbe dieser «Swimmingpool»-Flüssigkeit ist die gleiche, wie sie in der Werbung zur Aufmerksamkeitssteigerung eingesetzt wird. Und es ist auch die gleiche Farbe, die in der Renaissance zur Darstellung von Haut verwendet wurde. Ein Kontrast dazu: Das grüne Licht, das sich mit natürlichem mischt. Düfte kommen aus dem Ablaufrohr. Es riecht nach Babyhaut. Später erfährt man: Das ist ein synthetischer Moschusduft.