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Kulturlabor Insel Hombroich – eine Veranstaltungsreihe

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Die allsommerliche Veranstaltungsreihe „Wege durch das Land“ kann auf eine mehrjährige Tradition zurückblicken und gilt als renommiertestes Kulturereignis der Region Ostwestfalen-Lippe. Ihr Erfolg liegt in der einzigartigen Verbindung von Kultur und Landschaft. Dabei spielen ausgesuchte bauliche Denkmäler und historische Orte eine entscheidende Rolle. Dank ihrer Initiatorin Brigitte Labs-Ehlert gilt Wege durch das Land als „exquisite Reihe, die Orte und Künste beziehungsreich miteinander verknüpft“. (FAZ 3. Mai 05)

Kulturlabor Insel Hombroich

Zum festen Bestandteil der Veranstaltungsreihe gehört die „Rede zur Architektur“, die nach Peter Zumthor (2003) und Mario Botta (2004) am 3. Juli diesen Jahres der Kölner Architekt und Bildhauer Oliver Kruse hielt. Eindrucksvoll stellte er den circa 400 Gästen die realisierten wie die geplanten Projekte der Kulturstiftung Insel Hombroich vor. Wie die beiden Veranstaltungen zuvor wurde auch diese maßgeblich durch den Beschlägehersteller FSB ermöglicht. Das Unternehmen mit Sitz in Brakel wird im nächsten Jahr sein 125 jähriges Jubiläum feiern und versteht seine vielfältigen Tätigkeiten ausdrücklich als Beitrag zur Produktkultur des Landes. Die Förderung kultureller Projekte in der Region gilt der Geschäftsführung als selbstverständliches Anliegen.

Die Siftung Insel Hombroich

Die südlich der Stadt Neuss gelegene Auen- und Terrassenlandschaft wird von dem Flüsschen Erft umrundet und deshalb als Insel bezeichnet. Hier initiierten u.a. der Landschaftsplaner Bernhard Korte und der Künstler Erwin Heerich Anfang der 1980er Jahre ihr ungewöhnliches Projekt, indem sie aus dem 20 Hektar großen Gelände ein von Künstlern gestaltetes Freilichtmuseum machten und mit dem Bau von insgesamt zwölf skulpturalen Pavillons begannen. In den lichtdurchfluteten Gebäuden richteten sie eine Cafeteria, mehrere Ateliers sowie Veranstaltungs- und Ausstellungsräume ein, in denen vor allem die bedeutende Sammlung des Düsseldorfer Mäzens Karl-Heinrich Müller präsentiert wird. Die Besucher finden hier Werke von Jean Arp, Paul Cézanne, Lovis Corinth, Ben Fautrier, Yves Klein, Francis Picabia, Kurt Schwitters und anderen Künstlern der Klassischen Moderne sowie einige Werke aus früheren Epochen der Kunstgeschichte.

Gleichzeitig ließen sich auch die Maler Gotthard Graubner und Anatol Herzfeld auf der Insel nieder. Allen hier arbeitenden Künstlern war und ist ihr Bezug zu der sie umgebenden Landschaft, mithin die Verbindung von Kunst- und Naturschönem von wesentlicher Bedeutung, wollen sie doch „die Gestaltkräfte der Natur in Dialog mit den Gestaltkräften der Menschen stellen.“

(Oliver Kruse)

Im November 1996 wurde Hombroich in eine gemeinnützige Kulturstiftung des Landes Nordrhein-Westfalen überführt. Die Stiftung hat bereits die Museumsinsel zu einem „Kulturlabor“ ausgebaut, dessen Ateliers, Werkstätten, Seminar-, Ausstellungs- und Büroräume bildenden Künstlern, Wissenschaftlern und interessierten Laien zu interdisziplinärer Begegnung und Zusammenarbeit dienen werden.

Der Autor der diesjährigen „Rede zur Architektur“, Oliver Kruse, gehört als Vorstandsmitglied der Stiftung Insel Hombroich selbst zu den Planern und Gestaltern dieses sich Schritt für Schritt entwickelnden Gesamtkunstwerks. Der national wie international ausgezeichnete Künstler bewegt sich mit seinen zahlreichen Arbeiten im Grenzbereich von Skulptur und Architektur und hat das ehrgeizige Stiftungsprojekt unter dem Titel „Hombroich Raumortlabor“ im September 2004 bereits auf der Architekturbiennale in Venedig präsentiert. Darüber hinaus ist er künstlerischer Leiter des Hooy Kaye Museums in Brüssel.

Hombroich Raumortlabor

Kernstück des Ausbauplans ist die Erweiterung der Museumsinsel um eine nahegelegene frühere Raketenstation, deren Umnutzung für künstlerische und wissenschaftliche Zwecke durch die Parzellierung eines riesigen aufgelassenen Militärgeländes möglich wurde. Fertiggestellt ist bereits die nach Entwürfen des japanischen Architekten Tadao Ando errichtete Kunst- und Ausstellungshalle der Langen Foundation, in der seit September 2004 die Sammlung des Unternehmer- Ehepaars Viktor und Marianne Langen präsentiert wird. Die Sammlung bringt herausragende Werke japanischer Kunst mit solchen der Malerei der westlichen Moderne zusammen.
Für weitere Gebäude erbat die Stiftung sich Anregungen von so unterschiedlichen Architekten wie Raimund Abraham, Rudolf Finsterwalder, Thomas Herzog, Wilfried Wang, Per Kirkeby, Adolf Krischanitz, Birgit Frank, Oliver Kruse, Daniel Libeskind, Katsuhito Nishikawa, Frei Otto und Àlvaro Siza. Deren ehrgeizige Bebauungspläne lassen allerdings genügend Raum, um das landwirtschaftlich genutzten Areal um die Raketenstation zu bewahren und sogar um neue Wälder, Wildwiesen, Obst- und Kräutergärten zu erweitern. Alle vorgestellten Entwürfe nehmen Bezug auf das sogenannte Manifest, aus dem Kruse zitierte:

  1. Hombroich Raumortlabor ist Respektierung der Landschaft anstatt wahlloses Füllen.
  2. Hombroich Raumortlabor ist Schaffung eines Feldes mit vielen Zellen in einer dezentralen Struktur.
  3. Hombroich Raumortlabor ist weltoffenes Gebilde, ist viele Orte.
  4. Hombroich Raumortlabor wird zu 90% aus Landschaft und zu 10% aus Bauwerken bestehen, ebenso werden 10% der Bauwerke für Gemeinschaftseinrichtungen und 90% der Bauwerke für Leben, Wohnen, Arbeiten, Fürsorge, kulturelles Schaffen sein.
  5. Hombroich Raumortlabor ist ein offener Versuch.

Den umfassenden Text des Manifests erhalten Sie unter: www.inselhombroich.de

Auf ausdrücklichen Wunsch der Stiftung präsentierten die Architekten ihre Konzepte als nutzungsoffene Entwürfe und Ideenskizzen. Die Absicht hier Quartiere für bis zu 20.000 Menschen zu schaffen, sollte die Entwerfer nicht in ihrer, einzig dem Manifest verpflichteten Kreativität einschränken. Während Frei Otto leichte Zeltkonstruktionen für die Insel skizziert, plant Adolf Krischanitz gemeinsam mit Birgit Frank einen Stadtgarten, in dem die Häuser selbst Teil des landschaftsbewegten Konzeptes sind. Thomas Herzog und seine Mitarbeiter schlagen eine kleine Siedlung energieeffizienter Hofhäuser vor und Raimund Abraham entwirft einen L-förmigen Baukörper mit dem er die Geländeformation der Landschaft nachzeichnet.

Auch die diesjährige Rede zur Architektur wird im Rahmen der FSB-Edition als Buch erscheinen.
Weitere Informationen dazu erhalten Sie über die homepage des Unternehmens: www.fsb.de.
Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe erhalten Sie unter www.wege-durch-das-land.de.

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