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Ausstellung: Begreifbare Baukunst – zur Bedeutung von Türgriffen in der Architektur

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Begreifbare Baukunst – Die Bedeutung von Türgriffen in der Architektur

Mit der Ausstellung „Begreifbare Baukunst – zur Bedeutung von Türgriffen in der Architektur“ wirft der ostwestfälische Hersteller von Tür- und Fensterbeschlägen FSB einen Blick auf das Miteinander von Architektur und einem ihrer kleinsten gestaltbaren Bestandteile: dem Türgriff. Türgriffe bzw. Türklinken sind Architektur en miniature und spiegeln in Form und Gebrauch die gestalterische Haltung ihrer Entwerfer wider.

Eröffnung der Ausstellung am 14.04.2015 um 19:00 Uhr

Es sprechen:

Prof. Ulrike Mansfeld, School of Architecture, Hochschule Bremen

Prof. Matthias Sauerbruch, Sauerbruch Hutton

Wolfgang Reul, FSB

Ausstellung vom 15.04.-15.05.2015

Montag und Freitag 12:00–16:00 Uhr, Mittwoch 12:00–18:00 Uhr

Hochschule Bremen, Neustadtswall 30, Staffelgeschoss S12, 28199 Bremen

Über die Ausstellung

FSB ist der Meinung, dass die Entscheidung für einen Türgriff immer im Kontext mit der umgebenden Architektur zu treffen ist. In seiner Gestaltung komprimiert sich die Sprache des Raumes. Er wird zu einem harmonischen Teil des Ganzen – oder akzentuiert ganz bewusst einen formalen Widerspruch. Die Brakeler motivieren dazu, sich gegen Einheitslösungen zu entscheiden: Das umfangreiche Sortiment hält adäquate Entwürfe für jedwede Ausprägung zeitgenössischer und klassischer Architektur bereit.

Im Rahmen der Ausstellung zeigt FSB symbiotische Verbindungen von Architektur und Türgriff aus Vergangenheit und Gegenwart. Neben Objekten von Karl Friedrich Schinkel, Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens ist u. a. der Türdrücker zu sehen (und zu „begreifen“), den Walter Gropius gemeinsam mit seinem Büroleiter Adolf Meyer im Jahre 1922 für das Fagus-Werk in Alfeld a. d. Leine entwickelte. Ein Jahr später präsentierte man den schnörkellosen Beschlag im Weimarer Musterhaus am Horn einer staunenden Öffentlichkeit. 

Bauhaus Dessau

FSB inspirierte diese Klinke, ausgehend vom Bauhaus über Architekturen für die Hand nachzudenken. An der Entstehung des Gesamtkunstwerks „Bauhaus“ wirkten Künstler unterschiedlicher Strömungen mit, die sich letztlich vor allem durch zwei grundsätzliche Tendenzen voneinander abgrenzten. Während die einen mit elementaren Formen und Farben die Gestaltungsmaximen der Entgegenständlichung und der Abstraktion vorantrieben, entwickelten die anderen neue skulpturale Formen gegen die Schmucklosigkeit der Moderne – und doch zugleich aus ihr heraus.

Auch im Nachkriegseuropa wirkte die Strahlkraft des Bauhauses fort – und mit ihr die Debatte um Inhalt und Form einer zeitgerechten Gestaltung. So z. B. mit der Handschrift Le Corbusiers: Seine 1955 eingeweihte Kapelle mit ihren gegeneinander schwingenden Wandscheiben, den tiefen Nischen und Laibungen und dem überhängenden Dach zeugt von einem späten Übergang zur skulpturalen Form. Für den kleinen Sakralbau entwarf er eine große Prozessionstür, der eine bronzene Plastik als Griff dient.

Dem gegenüber stand der eingeschossige Kanzlerbungalow, den der Architekt Sep Ruf Anfang der 1960er Jahre im Auftrage Ludwig Erhards entwarf, dem Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik gut zu Gesicht. Hier demonstrierte man mit architektonischen Mitteln den geistig-politischen Neubeginn und zeigte eine neue weltoffene Haltung, die sich in der transparenten Gesamterscheinung und dem ringsum schwellenlosen Zugang zum Haus offenbart. Bei diesem Bauwerk reichen sich eine alles Dekorative ausschließende Gebäudearchitektur und eine unprätentiöse Griffgestaltung die sprichwörtlichen Hände: Für die große gläserne Schiebetür entwarf Ruf einen puristischen Stoßgriff – ein schwarzes Quadrat, das seitlich von einem vertikalem Aluminiumprofil flankiert wird.

Auch heute noch gelten vom Bauhaus inspirierte Gebrauchsgegenstände als Bezugspunkte für gute Gestaltung. Auch heute noch entwerfen Architekten individuelle Türdrücker für ihre Bauten. Dass sie hierbei immer wieder die Zusammenarbeit mit FSB suchen, ist kein Zufall: Wie kaum ein anderer Hersteller von Tür- und Fensterbeschlägen suchen die Brakeler die Auseinandersetzung mit Architekten und Designern, um formvollendete und zugleich funktionale Türöffner zu entwickeln, die der umgebenden Architektur in jeder Hinsicht gerecht werden. Dabei zieht man nach wie vor die vier Gebote des Greifens zu Rate, die der Designer und Mitbegründer der Ulmer „hochschule für gestaltung“ Otl Aicher vor 30 Jahren für FSB postulierte: Nur der Türdrücker wird seiner Aufgabe gerecht, der Daumenbremse, Zeigefingerkuhle, Ballenstütze und Greifvolumen aufweist.

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