Sie üben einen besonderen Reiz aus. Manchmal sind sie notwendig, manchmal nice-to-have. Im Folgenden finden Sie Baumaterialien und Alltagsgegenstände, die eines gemeinsam haben: Sie sind für einen bestimmten Zweck entwickelt worden, sind einmalig in ihrer Ausführung und einzigartig durch ihre händische Produktion. Lassen Sie sich einfach für Ihr nächstes Bauvorhaben inspirieren oder stillen Sie Ihre eigene Begierde nach etwas ganz Individuellem für Sie persönlich.

©Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
www.josef-gartner.permasteelisagroup.com

SO VIEL MEHR ALS NUR EIN FENSTER
Die multifunktionalen Isoliergläser der Elbphilharmonie sind weltweit einmalig: Sie sind nicht nur beschichtet, sondern wurden auch mit einem Raster aus basalt-grauen Punkten und Chrompunkten als Sonnenschutz bedruckt.
Jedes Element ist dabei ein Unikat, für das die Dichte des Rasters computergestützt für die jeweilige Nutzung der Räume im Inneren berechnet wurde. Die bis zu fünf Meter hohen Glasscheiben sind teilweise konkav und konvex gewölbt. Die 1.100 einzelnen Fassadenelemente haben eine lange Reise hinter sich, die sie von der Fertigung und Beschichtung in Gundelfingen bei der Josef Gartner GmbH über Plattlingen und Bretten bis nach Padua/Italien führte.

MIT SICHERHEIT NICHT VON DER STANGE
Der Kolumba-Ziegel wurde im Jahre 2000 als gemeinsames Projekt von Petersen Tegl und dem Schweizer Architekten Peter Zumthor für das Kolumba Museum in Köln entwickelt. Heute wird er für Bauvorhaben in der ganzen Welt verwendet.
Die dänische Ziegelei Petersen Tegl hat sich auf die Herstellung von Ziegelsteinen spezialisiert. Im Mittelpunkt steht dabei die handwerkliche Ausführung. Als eine der wenigen Ziegeleien weltweit beherrscht Petersen Tegl das Brennen von Ziegeln mit Kohle. Dies verleiht den wassergestrichenen Ziegeln ein Farbenspiel in hellen und dunklen Nuancen. Nach der Bearbeitung des Lehms werden die Steine in Holzformen von Hand gefertigt, getrocknet und gebrannt. Die unterschiedlichen Oberflächen und vielfältigen Nuancen der Steine entstehen durch Temperaturunterschiede beim Brand.

UNIKATE STRICKWARE FÜR DEN BODEN
Die Schweizer Teppichmanufaktur Ruckstuhl aus Langenthal kooperiert mit einer Strickmanufaktur im Herzen Kolumbiens und kam so an die strapazierfähige, vielfältige Faser namens „Fique“.
Heute wird das Naturmaterial in der Region Curití, im Norden Kolumbiens, für Ruckstuhl in verschiedenen Farben gesponnen und dann auf großen Stricknadeln per Hand zu einmalig schönen Teppichen verstrickt. Die Strickteppiche werden in verschiedenen farbenprächtigen Zusammenstellungen angeboten – Farbnuancen und die Größe können durch die handgestrickten Garne variieren. Die Unregelmäßigkeit des Materials führt durch die handwerkliche Verarbeitung zu einem authentischen, griffigen Muster.

WENN AUS ABFALL GRUND UND BODEN WIRD
Für Fiona Bennett und Hans-Joachim Böhme gestaltete sie den Boden ihres Hutladens, indem sie Holzstücke gebrauchter Möbel und tranchierte Holzköpfe (ausrangierte Hutformen) in kunstvoller Weise als Intarsien einarbeitete. Kunst im Kontext ist ihr Feld, mit gesellschaftskritischem Ansatz.
Doch was in Ausstellungen und Museen liegt, ist in Architekturen bodenständiges Element. barbara caveng lädt mit ihren Ansätzen alles auf und transformiert Gewöhnliches zu Besonderem. Ausrangierte Tischplatten, Regalbretter, Schranktüren und sonstige Möbelteile, die im öffentlichen Raum Neuköllns wild entsorgt wurden oder aus den Wohnungen, Kellern, Dachböden und Gartenlauben der Neuköllnerinnen und Neuköllner stammen, verarbeitete sie 2010 in einem partizipatorischen Kunstprojekt, das die Frage nach gesellschaftlicher Zugehörigkeit stellt, zu einer 120 Quadratmeter großen Parkettfläche. Das NEUKÖLLNER SOZIALPARKETT vervollständigte nach dem KUNSTPARKETT und dem VOLKSPARKETT die „Trilogie der Sozialen Bodenbeläge“. 2011 konnte die Repräsentationsfläche im Museum Neukölln begangen werden. Seit 2012 befindet sich die Arbeit in der Sammlung der Berlinischen Galerie. 2015 initiierte barbara caveng das Projekt KUNSTASYL, mittels dessen sich Künstler, Kreative und Asylsuchende gemeinsam mit der unbeantworteten Frage „Wem gehört der Raum?“ auseinandersetzen.

ALLES BLEIBT IM KREISLAUF UND FAST NICHTS ÜBRIG
Häuser, die zum Abriss freigegeben sind, werden von Martin Blöcher und seinen Mitarbeitern zerlegt, als Bausatz zwischengelagert und soweit möglich neu aufgebaut. Verwendet wird dabei alles, was nicht verrottet oder vergiftet ist.
„Dinge verschwinden“, sagt Martin Blöcher. Häuser, Zäune, Bänke, die von Menschen und ihrer Geschichte erzählen. Was andere längst aufgegeben und zum Abriss freigegeben haben, dem schenkt der 49-Jährige neues Leben. Er recycelt alte Häuser, baut sie zu historischen Neubauten auf. Bausätze nennt er das.

Stuart Freedman
www.bellerbyandco.com

SEINE GANZ EIGENE KLEINE WELT
Sie sind handgeschnitten, -bemalt, -benetzt und -beklebt. Es gibt sie ganz klein für den Schreibtisch und mit einem Durchmesser von mehr als 1,2 Meter.
Die Farben und die Art bestimmter Ortsmarkierungen können ganz individuell vom Kunden bestimmt werden – das Einzige, das nicht verhandelbar ist, sind die von den Vereinten Nationen festgelegten Ländergrenzen. Peter Bellerby wollte eigentlich seinem alten Herrn eine Geburtstagsüberraschung machen – herausgekommen ist ein Unternehmen, das seit sieben Jahren selbstgemachte Globen in die ganze Welt verschickt. Sie sind Handwerk und Kunst für Sammler, Liebhaberstücke und Objekte der Begierde für Weltenbummler. Und jeder ist ein Unikat. Wie wär’s mit einem in Matt-schwarz mit kleinen Markierungen an Orten mit den aus Ihrer Architektenhand geschaffenen weltweit realisierten Gebäuden?

DIE EIGENEN NOTIZEN GEBEN IHNEN DEN REST
Seine Notizbücher sind schon kleine, unikate Kunstwerke, bevor der Eigentümer auch nur eine Silbe geschrieben – oder eine Skizze getuscht hat.
Christian Haas gestaltet Notizbücher der besonderen Art, sie inspirieren, bereiten Freude, sind ästhetisch und erzählen Geschichten. Zum Beispiel das HIDDEN: eine Mischung aus Wort- und Bildkunst mit weißen, grünen, geprägten und goldenen Seiten und handkoloriertem Kunstdruck. Der Umschlag lässt sich zum Poster aufklappen und Seiten mit Blindenschrift sind auch eingearbeitet. Also ein Büchlein für Menschen, die gleichermaßen sehen und fühlen. Leeres, zum Teil strukturiertes Papier kombiniert Christian Haas mit Seiten aus alten Büchern, Atlanten oder Comics. Das NUMBERS ist sogar ein gekennzeichnetes Unikat, mit Seriennummer und einer einmaligen Zusammensetzung an farbigen, weißen oder gestanzten Seiten.

DIE KÖNIGSDISZIPLIN DES RECYCLINGS: DIE WIEDERVERWENDUNG
Einzigartigkeit entsteht hier schon allein durch die Tatsache der sichtbaren Alterung, der entstandenen Patina, der charmanten Verschleißspuren.
Der Unternehmerverband Historische Baustoffe e.V. wurde im Jahr 1992 gegründet. In ihm sind 30 Unternehmen zusammengeschlossen. Ziel ist die Förderung der Wiederverwendung historischer Baustoffe. Neben der internen Dienstleistung für seine unternehmerisch tätigen Mitglieder sieht der Verband seine Aufgaben satzungsgemäß auch in der Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Er möchte deutlich machen, dass ohne die Wiederverwendung historischer Bausubstanz wertvolle Kulturgüter unwiederbringlich verloren gehen. Gleichzeitig leisten die Unternehmen einen Beitrag zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs.

VON WEGEN QUADRATISCH, PRAKTISCH, GUT
Ihre besondere Plastizität erhält die Fassade der neuen Tate Modern in London von Herzog & de Meuron durch die im Versatz und Zahnschnittmuster gelegten Klinker.
336.000 von hell bis dunkel durchgefärbte Klinkersteine in 212 verschiedenen Typen und fünf verschiedene Ziegelarten finden sich an dem Gebäude. Für die Gebäudekanten und Faltungen kamen individuelle Steine und angeschnittene Standardsteine zum Einsatz, um die Fläche zwischen den aneinandergrenzenden Steigungen zu realisieren. Die Girnghuber GmbH, besser bekannt als GIMA, macht’s möglich. Sie hält eine lange Tradition in der Fertigung von Tonbaustoffen am Standort Marklkofen aufrecht.

James & Taylor Ltd.
www.gima-ziegel.de

Sanatorium Dr. Barner
www.bucherplatte.com

NACHHALTIG, MODERN UND DEM DENKMALSCHUTZ ENTSPRECHEND
Peter Bucher stellt seit 1981 Dachplatten in händischer Einzelfertigung in Fieberbrunn her – in dem Betrieb, den sein Großvater 1946 gründete.
Für die Fertigung werden Sand, Zement und Wasser mit einem Rührwerk vermischt, die Betonmasse in die Form der Dachplatte auf dem Schlagtisch aufgetragen. Es folgen Verdichtung und Abtragung überschüssigen Materials. Anschließend werden die Platten getrocknet und sind bereit für die Verlegung. Peter Bucher betreut die meisten Baustellen selbst und schult Dachdecker in Sachen fachgerechter Verlegung der Platten. Für die Rekonstruktion der Dachplatten des Sanatoriums Dr. Barner im Deutschen Braunlage im Harz, ein Projekt des Architekten David Chipperfield, hat Bucher eigene, CAD-gefertigte Formen herstellen lassen, die gewünschte Farbe erzielt er durch individuelle Pigmentierungen.


DINGE, DIE EINE SEELE HABEN

1996 gründete Klaus Lohmeyer das Unternehmen Werkstatt: München, nachdem er sich mit einem Hintergrund in Philosophie, Politik und Musik dem Kunsthandwerk zuwandte.
Seine Leidenschaft für Rohstoffe wie Silber und natürlich gegerbtes Leder führte ihn damals zum Studium des Silber- und Goldschmieds. Er und sein Team kreieren Stücke, die eine Seele haben: handmade, einzigartig und mit viel Leidenschaft.
„… denn Emotionen sind der ultimative Luxus in einer voll digitalisierten und maschinell hergestellten Welt. Werkstatt: München stellt den zeitlosen Wert von kostbaren Werten wieder her, um Geschichten und Traditionen von Generation zu Generation weiterzugeben.“

Werkstatt:München
www.werkstatt-muenchen.com