Der Architekt Karl-Heinz Schommer betreibt gemeinsam mit seiner Tochter Laura Schommer-Wolstein das bekannte Architekturbüro in Bonn. Für den Bau des Kameha Grand Hotel am Bonner Bogen wurde er mit dem Mipim Preis, dem sogenannten „Oscar der Immobilienbranche“, ausgezeichnet. Wir haben ihn in seinem Kreativzentrum getroffen und mit ihm über das Thema Beständigkeit gesprochen.

Herr Schommer, wie stark denken Sie an Beständigkeit in Ihrer Architektur?
Alle Projekte gehen wir mit möglichst viel Kreativität und Mut an. Dabei ist es für uns parallel jedoch gleichzeitig ein übergeordnetes Ziel, dass unsere Architektur auch in Jahrzehnten in ihrem Umfeld als spannend und bereichernd erlebt wird. Insofern ist für uns Beständigkeit eine Grundvoraussetzung unseres Planens.

Wie zeitlos kann man Ihrer Auffassung nach bauen? Würden Sie Architektur als Kind der Mode bezeichnen?
Unsere Architektur reagiert immer individuell auf die jeweilige Aufgabe. Zunächst gilt es, den sogenannten „Genius loci“ eines Ortes zu erfassen und hierauf städtebaulich und architektonisch eine gute Antwort zu geben. Das Wort „Mode“ kennen wir nicht. Es gelten Kriterien wie Funktionalität, Blickbeziehung, Sonnenausrichtung, Nachbarschaft, Wohlfühlen in den verschiedensten Nutzungsarten, Wirtschaftlichkeit und natürlich die finanziellen Möglichkeiten des jeweiligen Bauherrn.

Was sind die Pyramiden unserer Zeit?
Da fällt mir als Erstes der Burj Khalifa in Dubai ein, elegant trotz unglaublicher Höhe. Dann sind es aber auch solche Gebäude, die in ihrer Materialhaftigkeit die Möglichkeiten ausreizen, eine spannende Dynamik schaffen und teilweise eine ganze Stadtsilhouette prägen. Hier denke ich an das Guggenheim-Museum von Bilbao von Frank Gehry. Es gelang ihm, eine sich mit der Hafensilhouette dynamisch verbindende Architektur zu schaffen, die für die ganze Welt zum Besuchsmagneten wurde. Geht man weiter zurück, gehören für mich aus ähnlicher Betrachtung heraus das Sydney Opera House dazu und der Eiffelturm, der die Möglichkeiten des Gussstahls in seiner damals technischen Möglichkeit glanzvoll ausreizte. Man erkennt Ihre Gebäude in Bonn durch die Materialwahl.

Gibt es Material, das für die Ewigkeit gedacht ist?
Wir haben als Architekt nicht den Anspruch, dass wir erkannt werden müssen. Wir berücksichtigen die Umgebung und bauen individuell. Dabei versuchen wir eine passende Antwort zu finden. Das Material ergibt sich also aus der direkten Nachbarschaft und ist nicht von vornherein ein Plädoyer. Das Kameha Grand, Ihr großer Wurf, ist seit sechs Jahren in aller Munde.

Welche Perspektive hat es, auch im nächsten Jahrhundert, ein Grand Hotel zu sein?
Denken Sie einmal an andere Grand Hotels der Jahrhundertwende. Das Kameha wurde ebenfalls mit beständigen Materialien und innovativ, auch was die Haustechnik betrifft, gebaut. Es spricht also nichts dagegen, dass es in 100 Jahren noch immer als Grand Hotel präsent sein wird. Wir haben mit dem Kameha Grand das Highlight des Bonner Bogens erbaut und bei der Wahl der Materialien darauf geachtet, dass es in seine Umgebung passt und sich gleichzeitig abhebt.

Ihr grandioser Entwurf für das Festspielhaus ist gescheitert. Was ist Ihr nächster architektonischer Traum?
Der Genius loci unserer Stadt, der Rhein, ist für mich noch zu unterbewertet. Ich möchte dabei helfen, die Silhouette am Rhein weiter hervorzuheben. Durch einzelne Festpunkte könnte sich die Stadt noch mehr mit ihrem Fluss identifizieren. Das hat in vorbildlicher Weise in Bilbao funktioniert, wo das Gebäudeensemble im Dialog mit der Landschaft steht und die Stadt prägt.

Was bedeutet Beständigkeit für Sie persönlich?
Zunächst denke ich als Architekt natürlich an die Beständigkeit von Architektur. Ich denke an Beständigkeit in der Familie, im Freundeskreis, aber auch bei allen Interessen, denen man in einem Leben nachgeht. Erweitert würde ich sagen, die Basis von Beständigkeit gibt einem Freiräume für vielfältige Kreativität und Mut zum Handeln. Es ist ein gleichwertiges Balancieren der Begriffe. Beständigkeit ist in keiner Weise langweilig. Sie entsteht durch eine immerwährende Suche nach Kreativität. Der Sprung in die Kreativität ist für mich ein Sprung durch die Mauer, auf der Suche nach neuem Input, um Neues zu generieren und auszuprobieren.