Das etwas andere Architekturmagazin: BerührungsPUNKTE. Vielfältige Themen rund um Kunst und Technik, um Historie und Zeitgenössisches, um Theorie und Praxis. Jede Ausgabe ist einem Schwerpunktthema gewidmet, das die Architektur berührt. Das Magazin erscheint seit 2001 zweimal im Jahr und kann kostenlos abonniert werden. Herausgeber ist die Kommunikationsinitiative BerührungsPUNKTE, die für Architekten, Planer und Architekturinteressierte Inspirator und Ideengeber ist. Dahinter stehen die drei Unternehmen FSB, Gira und KEUCO, die mit BerührungsPUNKTE ihre gemeinsame Affinität zu Architektur, Design und Kultur leben und dokumentieren. Lesen Sie die älteren Ausgaben in unserem Archiv oder bestellen Sie kostenlos das BerührungsPUNKTE-Magazin.

 

Das neueste Magazin Nr. 27 [anspruch]

 

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„Das Mittelmaß scheint das Grundmaß und die Basis der Schönheit, aber noch lange nicht die Schönheit selbst zu sein, weil zu dieser etwas Charakteristisches erfordert wird.“ (Immanuel Kant)

Wenn es in dieser Ausgabe um Anspruch geht, befassen wir uns automatisch auch mit Themen wie Mittelmaß und Scheitern. An sich selbst hohe Ansprüche zu stellen, wird häufig gutgeheißen. Anspruchsvoll zu sein, wirkt hingegen anstrengend, eine Anspruchshaltung an den Tag zu legen, arrogant. Ohne Anspruch entsteht Stillstand, ohne Anspruch eine Arbeit zu verrichten, eine Aufgabe zu erledigen, ist undenkbar, will man ein gutes Ergebnis erzielen. Und wie verhält es sich mit dem Begriff Anspruch, wenn man ihn mit seinem Kontrahenten „Scheitern“ paart?

Begreift man Scheitern als natürliche Sache, zum Erfolghaben, zum Hohen-Ansprüchen-Entsprechen zugehörig, so darf doch im Vorfeld der Anspruch hoch sein, wenn denn eine Zufriedenheit auch bei 70-prozentiger Erfüllung eintritt.

Definieren wir Tiefschläge als Erfahrungsschatz und paaren Erfolg mit Misserfolg so wie die Liebe mit dem Leiden, das Glück mit dem Unglück, Gesundheit mit Krankheit, so dürfen hohe Ansprüche doch gestellt und ein Nichtgelingen darf weggesteckt werden. Das Zauberwort heißt sicher, wie in so vielen Bereichen, Balance. Ein Grundmaß an Schönheit, Qualität und Wertigkeit zu schaffen, sollte der geringste Anspruch sein. Das Streben nach dem Charakteristischen, dem Unverwechselbaren, dem Faszinosum ist die Kür – die Option des schmerzhaften Scheiterns inklusive.

Unsere Beiträge haben den gemeinsamen Nenner „Anspruch“. Sie unterscheiden sich in ihren Themen sowie in ihren Maßstäben, die sie anlegen, um zu bewerten.

So erlegen sich FSB, Gira und KEUCO einen Maßstab der Superlative auf und bauen auf ihr Anspruchsdenken in Sachen Qualität, Innovationen und Ästhetik ihrer Produkte. Nachvollziehbar – anderes wäre kaum denkbar. David Kasparek erwartet in seinem Beitrag „Was wir von Spider-Mans Onkel lernen können“ eine Verstärkung der Anspruchshaltung von Architekten. Er fordert einen Anspruch, der sich durch Ganzheitlichkeit, durch Reflexion, durch neue gedankliche Maßstäbe im Bereich Nachhaltigkeit auszeichnet. Den feinsinnigen und schöngeistigen Venezianer Renato Rizzi mag man gar nicht mit Begriffen wie Scheitern oder Mittelmaß konfrontieren, so blumig, so intellektuell anspruchsvoll sind seine Satzgirlanden, die sich in unendlichen Windungen auf dem Papier wiederfinden. Zu groß sind die Maximen, nach denen er lehrt und arbeitet: Faszination, Geduld und Aufwand. Für Mike Karstens, Grafik-Designer, Drucker und Galerist in Münster und nahezu konkurrenzlos auf seinem Gebiet, gehören Anspruch und Scheitern zusammen.

Ohne Fehler keine Entwicklung, ohne Misserfolg keine Bodenhaftung.

So einfach ist das für den Mann, der mit Künstlern wie Gerhard Richter zusammenarbeitet und der seit 25 Jahren erfolgreich druckt, verlegt und ausstellt.

Also, liebe Leserschaft: Bleiben Sie anspruchsvoll und lassen Sie sich ab und zu mal vom Akt des Scheiterns faszinieren. Sie wissen ja: Es geht immer weiter, schlimmer geht immer und Hochmut kommt vor dem Fall.

Die Herausgeber

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Inhalt

Funkbäume

Robert Voit dokumentiert ein kurioses Arboretum der Neuzeit Der Wunsch der Stadtbewohner nach ungestörter Kommunikationsfähigkeit über weite Landstriche hinweg, führt in Teilen der USA und Großbritanniens zur Erschaffung des „Funkbaumes“. Als Kaktus oder Palme getarnt, passt sich der Funkmast seiner Umgebung an und gibt sich als natürlicher Teil der Landschaft. Erst auf den zweiten Blick bestätigt sich das Gefühl: „Hier stimmt doch etwas nicht!“. Die Funkbäume verfügen über Attribute ihrer natürlichen Genossen, doch zu störend sind die enttarnenden Oberflächen, Maßstäbe oder Details. Robert Voit hat mit seiner Arbeit „New Trees“ diese Art des dekorativen Umgangs mit Indizien unserer Zeit fotografisch festgehalten und überlässt uns unserem Staunen.    Robert Voit (geb. 1969) absolvierte sein Fotografiestudium an der Fachakademie für Fotodesign in München, an der Akademie der Bildenden Künste München und bis 2005 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Thomas Ruff. Voits Fotoarbeiten, besonders auf dem Gebiet der Architekturfotografie, wurden mehrfach ausgezeichnet. Voit lebt und arbeitet in München. […]

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Was wir von Spider-Mans Onkel lernen können

Behauptet jemand von sich, einen Anspruch zu haben, so ist losgelöst von einem Kontext zunächst unklar, was damit überhaupt gemeint ist. Etymologisch stammt das Wort Anspruch wohl aus dem Mittelhochdeutschen, wo es „Anklage“ und „Einspruch“ bedeutet. Davon lässt sich die erste Bedeutungsebene des Wortes im heutigen Sprachgebrauch ableiten: der juristische Anspruch, das Anrecht auf etwas. Zweitens kann es sich um einen Bedarf oder eine Anforderung handeln. Mit Anspruch ist zudem auch eine Erwartung gemeint – sich selbst gegenüber, auch unseren Mitmenschen und nicht zuletzt den Dingen gegenüber, die uns umgeben. Schließlich betrifft der Anspruch eine vierte Synonymgruppe und meint die Ambition, mithin also das Niveau oder die Qualität von etwas oder jemandem. Um Anspruch im juristischen Sinn aber soll es hier nicht gehen. Interessanter in diesem Zusammenhang ist vielmehr die Bedeutung, Anspruch im Sinne von „Ambition“, „Niveau“und „Qualität“ zu betrachten. Wie aber verhält es sich mit dem Anspruchsdenken, wie mit der Anspruchshaltung und den damit […]

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BerührungsPUNKTE zu Gast bei FSB, Gira und KEUCO

Als wir uns für den Magazin-Titel „Anspruch“ entschieden haben, entstand die Idee, die drei kooperierenden Firmen FSB, Gira und KEUCO unter eben diesem Aspekt neu kennenzulernen. Dazu hat das BerührungsPUNKTE-Team die Geschäftsführer und einige ihrer Mitarbeiter besucht, dort, wo sie das tun, was ihren Kernkompetenzen entspricht, dort, wo Metall- und Kunststoffgeruch in der Luft liegen und wo man sich die Füße platt läuft: in Werkshallen, Logistikzentren und zwischen verschiedenen Produktionsorten.   Dort, wo nicht nur das perfekte Design, neue Oberflächen oder neue Editionen sichtbar sind, sondern wo Unmengen Rohmaterial verarbeitet werden: Stahl- und Messingrohre, Aluminiumbarren auf Paletten und in Kisten, unbearbeitete Zinkdruckgussteile, Klinkenformen, Kunststoffgranulat und auf den ersten Blick undefinierbare Einzelteile heißen die Besucher willkommen und wecken Neugierde. Wo Lärm herrscht, rege Betriebsamkeit, wo Bottiche mit flüssigem Aluminium und Galvanik-Bäder stehen, wo gelbe Markierungen auf dem Boden für Ordnung sorgen und der Kontrast zwischen hoch technisiert betriebenen Robotern und kraftintensiver und sensibler Handarbeit zur Erreichung einer optimalen haptischen […]

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Firmenporträt: FSB

„Weil die Hand greifen kann, kann auch das Denken begreifen.“ Otl Aicher Schon die Autofahrt durch das landschaftlich wunderschöne Ostwestfalen entschleunigt erheblich, ein Windpark folgt dem nächsten – die großen Rotorblätter geben das Tempo vor für die Annäherung an Brakel, die Klinkenstadt. Die fünf Werke an zwei Standorten befinden sich in stetem Wandel, in andauerndem Prozess der Erweiterung, der Instandhaltung, der Optimierung. Das Gebäudeensemble „Werk 1 und Verwaltung“ mit dem ehemaligen Dampfschlachthaus mutet verwunschen an, kleinstdörfliche Maßstäbe existieren hier, Gebäudeecke stößt fast an Gebäudekante, ein Platz, ein Freiraum, Gebäude, die Geschichten erzählen könnten und mit ihren Beiträgen zur Griff- und Greifkultur Geschichte geschrieben haben. Grundsätzlich werden bei FSB maschinelle und händische Fertigungsverfahren in Abhängigkeit von dem jeweiligen Design und der zu produzierenden Stückzahl kombiniert. Neben dem automatisierten Gießverfahren wird hier, in Werk 1, beispielsweise mit dem manuellen Schwerkraftkokillenguss, der gerade bei Kleinmengen oder besonders anspruchsvollen Modellen Anwendung findet, eine Tradition lebendig gehalten. Dieses ist ein Verfahren, […]

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Firmenporträt: GIRA

„Ein beschränkter Anspruch ist zuweilen noch schwerer durchzuführen, als ein unbeschränkter.“ Leopold von Ranke Moderne Gebäudetechnik von Gira steht für Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz. Vielfältig sind die intelligenten Funktionen und die benutzerfreundlichen Geräte, an denen die Mitarbeiter bei Gira mit unbeschränktem Anspruch arbeiten. Wer setzt bei Gira die Maßstäbe, legt Ziele fest, entwickelt und sieht zu, dass wirklich alles schön und funktionierend „aufs Feld“ gebracht werden kann? Schon im ersten Vorgespräch wird klar: Menschen. Interessante, neugierige und offene Persönlichkeiten mit verschiedenen Fähigkeiten und Aufgabengebieten in den unterschiedlichsten Positionen haben die Belange des Unternehmens fest im Blick. „Für mich sind die Dinge besonders schön, wenn sie die Aufgabe eines Produktes unterstützen.“ Thomas Musial, Geschäftsführer Gira Wir sprechen mit Thomas Musial, Geschäftsführer neben Alfred A. Bulitz und Dirk Giersiepen (als Urenkel von Richard Giersiepen leitet er in der 4. Generation das Unternehmen) – seit etwas mehr als einem Jahr steuert er den Vertrieb und das Kunden-Center. Seit Anfang 2014 im Unternehmen […]

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Firmenporträt: KEUCO

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ Henry Ford Das Unternehmen KEUCO weiß, was es kann, und hört nicht auf, sich auf dem Fundament seiner Erfahrungen weiterzuentwickeln. Funktional wurden hier seit 1953 Flächen für die Produktion erschlossen, es entstand eine Gebäudekonstellation, die sich stets im Prozess befand – bis heute. Relikte aus den 1970ern sind in einigen Bereichen liebevoll erhalten, gar in Szene gesetzt worden, wenn auch generell die Vorwärtsgewandtheit zählt – räumlich, optisch und im übertragenen Sinne. (Nach der Messe ist vor der Messe!) Hartmut Dalheimer, seit 1991 bei KEUCO und seit 1995 Geschäftsführer, steuert als feinsinniger Ästhet mit sicherer Hand das Unternehmen, ist Visionär, größter Fan des Unternehmens und harter Arbeiter zugleich. „Ich sage, was ich denke, und tue, was ich sage!“, fasst er seine Art in Worte. Mit Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit beschreibt er seinen Anspruch an sich selbst. Sein beruflicher Anspruch: „Tolle Produkte! Keine Kompromisse in […]

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Scheitern ist eine Frage der Perspektive

Er hat das Abi kurz vor den Prüfungen, direkt nach seinem 18. Geburtstag, geschmissen, hat ein paar Jahre gejobbt und dann eine Ausbildung zum Drucker begonnen. Nach Millionenauflagen von grünen Fahrzeugscheinen, schließlich aber mit dem Gesellenbrief in der Tasche, weiß er was er will. Mike Karstens holt sein Abitur nach, studiert an der Fachhochschule Münster bei Prof. Wolfgang Troschke Grafik-Design und macht fortan das, wofür sein Herz schlägt: Er druckt. Mike Karstens’ Galerie liegt am Hafen, neben der Verwaltung des Coppenrath Verlages, in einem alten Speichergebäude des späten 19. Jahrhunderts. Ein kaltes, mit alten Postern, Zetteln und Tags versehenes Treppenhaus mit extrabreiten Stahltüren nimmt den Besucher auf, der sich suchend von Etage zu Etage bewegt. Plötzlich öffnet sich eine Tür und ein hocherfreuter und geschäftiger Mike Karstens lädt einen mit seinem Lachen in die großzügigen, im Ausstellungswechsel befindlichen Galerieräume ein. Lichtdurchflutet präsentieren sich die hohen Räume, an den Wänden noch einige Drucke der gerade beendeten […]

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Architektur der Bilder

Der dunkle Backstein strahlt eine archaische Dramatik aus: Der Bau des neuen Shakespeare-Theaters in Danzig gibt sich von außen als dunkler Monolith. Im Inneren löst sich die Form in einzelne Volumen, Gänge und Zwischenräume auf. Mit dem nach oben öffenbaren Dach übersetzt der venezianische Architekt Renato Rizzi ein zentrales Element des einst von Shakespeare selbst entworfenen, nach oben offenen Globe Theatre ins Heute. Beim Gang durch das neue Theater in Danzig spürt man verschiedene zeitliche Ebenen. Manche Elemente erinnern an das Mittelalter, andere an die Renaissance. Haben Sie Vorbilder aus der Vergangenheit? Renato Rizzi: Ja. Ich unterrichte an derselben Universität, an der Aldo Rossi und Carlo Aymonino unterrichtet haben. Vor allem ist es Rossi, der mich durch sein Schreiben sehr viel mehr beeinflusst hat als durch seine Werke. Was ich mir durch ihn zu eigen gemacht habe – über Eisenman und Hejduk hinaus –, ist die geistige Herangehensweise: das Schauspiel ohne Zeit und ohne Geschichte, […]

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Architekt/-in werden

Welchem Anspruch genügt die aktuelle Architekturausbildung? Wer heute Architektur studiert, hat je nach Hochschule die Wahl zwischen einem sechs- und einem achtsemestrigen Bachelorstudium plus optional anschließendem zweijährigem Masterstudium. Architekturstudenten müssen heute wesentlich strafferen Studienplänen folgen als noch vor 16 Jahren, als das Studium mit der Erlangung des Diploms abschloss und durchschnittliche Studienzeiten von 14, 16 oder noch mehr Semestern durchaus an der Tagesordnung waren. Durch den seit 1999 umgesetzten Bologna-Prozess, d. h. die Umstellung auf das Bachelor-Master-System, das früher für den Berufseinstieg qualifizieren und eine internationale Vergleichbarkeit der Studiengänge ermöglichen sollte, gelangen Architekturstudenten heute schneller zum Abschluss – sie haben aber auch weniger Zeit für ihre Ausbildung. Der traditionell generalistisch angelegte Beruf des Architekten nimmt gleichzeitig in seiner Komplexität weiter zu. Mehr Inhalte in kürzerer Zeit – man ahnt, dass dabei etwas auf der Strecke bleiben muss. Bis heute gibt es aus Fachkreisen Kritik am Bologna-Prozess und an den verkürzten Studienzeiten: So stellte der Präsident der […]

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Architekt/-in sein

Im Gespräch mit der Architektin Aline Neirynck von 51N4E, Belgien Jung und erfolgreich – die Brüsseler Architekten von 51N4E haben sich bereits einen Namen in der Szene gemacht. Aline Neirynck arbeitet seit sieben Jahren in dem jungen Büro und ist immer noch begeistert von der offenen Arbeitsweise und Atmosphäre, die ihr für ihre Entwicklung großen Spielraum lassen. Ich habe gelesen, dass du erst 26 Jahre alt warst, als du die Projektleitung für das Buda Art Centre anvertraut bekamst. Viel Verantwortung für eine junge Architektin … Ja, ich war 26 oder 27. Die ersten Projekte, an denen ich hier im Büro mitgearbeitet habe, waren C-mine, der TID Tower in Tirana und OCMW Nevele. Bei C-mine ging es um die Konversion eines alten Industriegeländes für kulturelle Nutzung und die Ergänzung mit neuen Baukörpern. Von Anfang an war ich vor Ort auf der Baustelle involviert. So konnte ich bereits in meinem ersten Jahr bei 51N4E an so einem Prozess […]

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