Paolo Baratta, Präsident der Biennale Venedig, und David Chipperfield als Kurator der 13. Architektur-Biennale stellten in vielzähligen Pressekonferenzen weltweit das Gesamtkonzept und die Beteiligten vor. Am 8. Mai machten sie Station in Deutschland – in der italienischen Botschaft in Berlin.

Baratta sieht in der Biennale die Aufgabe, Architekten (wieder) dafür zu sensibilisieren, wie wichtig ihr Werk ist – wie viel Aufmerksamkeit tatsächlich auf ihre Arbeit gerichtet wird –, und sie damit wiederum auf die Verantwortung hinzuweisen, die sie zu tragen haben. Er verspricht sich ein breites Feld an Verbindungen, Assoziationen, intensiven Dialogen zwischen verschiedenen Architektengenerationen und ihren Standpunkten. „Architektur ist die Kunst, den gemeinsamen Raum zu gliedern! In einer Zeit, in der die Architektur an Schwung verloren hat, sich größtenteils nur noch auf Technik stützt, geht ihr die Sinnhaftigkeit verloren.“ Und diese nun wiederzufinden, erhofft sich Paolo Baratta von David Chipperfield.

„Ich hatte schon immer das Gefühl, viel zu arbeiten. Seit ich Direktor der 13. Architektur-Biennale bin, weiß ich: Das stimmt nicht, jetzt arbeite ich viel!“ Während die Journalisten-Schar und die Interessierten sich vor der italienischen Botschaft einfinden und Neueintreffende alle paar Minuten von dem einen zum anderen Eingang schlendern und sich schließlich vor der verschlossenen Schranke am Haupteingang sammeln, spaziert auch David Chipperfield hin und her, macht Smalltalk mit ihm bekannten Gesichtern. Er strahlt eine Ruhe und Würde aus, die ihn nicht unnahbar wirken lässt, aber einen freundlich auf Distanz hält.

Chipperfield leitet an diesem Vormittag den Begriff COMMON GROUND für seine Zuhörer her – und das nicht zum ersten Mal. Dieser Begriff für Gemeinsamkeit, den er an dieser Stelle hat entstehen lassen, ist erklärungswürdig und facettenreich, tiefsinnig und plakativ. Idealistisch ist er auch – wird doch ein gemeinsames Ziel auserkoren, das Zurückhaltung, Reflexion, Kompromissfähigkeit und vor allem den Glauben an eine verbindende Gemeinsamkeit für seine Umsetzung erfordert. COMMON GROUND ist eigentlich ein physischer Zustand, eben der Boden, der allen gehört, so lautet eine seiner weiteren Definitionen: „Gemeinsame Unterschiede auf gemeinsamen Boden.“ Vom Individuum zur Gesamtheit. Bei aller Unterschiedlichkeit von Ansätzen, Haltungen und Positionen geht es Chipperfield doch fast ausschließlich um die Frage: „Welche Gemeinsamkeiten haben wir? Unsere Gemeinsamkeiten sind unser COMMON GROUND und die Voraussetzung für eine Veränderung im Einverständnis aller.“
Seine Ausstellung präsentiert 58 Projekte von Architekten, Fotografen, Künstlern, Kritikern, Lehrenden und Studierenden. Die meisten von ihnen involvieren interdisziplinär weitere Kollegen, Mütter und Väter im Geiste, insgesamt über 100 Personen, welche mit ihnen einen COMMON GROUND teilen. So spielt Ai Wei Wei mit in der 47. Gruppe, angeführt von Ruta del Peregrino, während Thomas Demand aus Berlin ebenso wie Elke Krasny (veröffentlichte ihr Zweck-ABC in unserem Magazin Nr. 17) aus Österreich einen Beitrag für sich bestreiten.

Bei all den (wieder einmal) namhaften Teilnehmern (Peter Eisenman, Norman Foster, Zaha Hadid, Jaques Herzog, Pierre de Meuron, Hans Kollhoff, Rem Koolhaas und viele mehr), der Top-Liga der Architekturschaffenden und Kreativen, ist klar gefordert: keine autobiografischen Ansätze sondern das Kollektiv im Fokus: Es soll eine Ausstellung über Architektur, nicht über Architekten sein.

55 Länder werden in diesem Jahr in den Pavillons in den Giardini, in den Gebäuden im Arsenale und an anderen Spielstätten über Venedig verteilt, an der Biennale teilnehmen. 5 Länder sind zum ersten Mal dabei: Angola, Kosovo, Kuwait, Peru und die Türkei.

Chipperfield setzt große Erwartungen in die Beteiligung der Studierenden (aus Deutschland bisher mit dabei: Universität Düsseldorf, TU Karlsruhe, TU München und Universität Hannover). So wurde ein Programm entwickelt, das sie unter dem Titel „Biennale Sessions“ ganz nah an die Auseinandersetzung mit der Materie bringen soll.

Der Kurator wünscht sich, dass die entstehenden Dialoge, Fragen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – eine Abschottung sollte nicht erfolgen. Und das wird es auch nicht, wenn das Thema COMMON GROUND wirklich ernst genommen wird.

 


chipperfieldDavid Chipperfield
Kurator der
13. Architektur-Biennale
Foto: Ingrid Von Kruse

 

barattaPaolo Baratta
President of la Biennale di Venezia
Foto: Francesco Galli
Courtesy: la Biennale di Venezia