Reuse the Public

Angelehnt an das diesjährige Thema des Deutschen Pavillons auf der venezianischen Biennale, „reduce reuse recycle“, beschäftigt sich der Beitrag des Bundes Deutscher Architekten BDA mit der Reaktivierung und Remobilisierung des öffentlichen Raumes.

Anlass: Wiederkehr der Öffentlichkeit
Die Neubestimmung von öffentlichen Räumen hat – ähnlich wie der sprunghaft angestiegene Bedarf an Bauten und Erweiterungen, die im Bestand entworfen werden – strukturelle und gesellschaftliche Gründe. Der anhaltende Trend zum Wohnen in der Stadt, der Zwang zur Nachverdichtung, der demografische Wandel und das erkennbar gestiegene Interesse vieler Bürger an ihrer unmittelbaren Lebensumgebung haben einen Bedarf an besser und sorgfältiger genutztem öffentlichem Raum bewirkt.

Dabei sind zahlreiche Projekte entstanden, die dieser Erfordernis auf vielen Ebenen Ausdruck verleihen. Das demonstrative Vorgehen von Bürgeriniativen beim Projekt „Stuttgart 21“ oder beim Hamburger Gängeviertel sind die prominentesten Ansätze. In der Breite finden sich erheblich mehr, oft weniger spektakuläre, aber strategisch und gestalterisch mindestens genauso innovative Ansätze. Reduziert man viele dieser Unternehmungen auf den Kern ihrer Motivation, so lässt sich erkennen, dass die Unzufriedenheit mit hoheitlichen Planungen in einem Maß angestiegen ist, das zahlreiche bisherige Formen der Stadtplanung – inklusive den Instrumenten der Bürgerbeteiligung – als überholt erscheinen lässt.

Konsequenz: Ein anderes „Bild“ des Architekten
Hier setzt die Argumentation des BDA an: Wenn die bisherigen Formen von „Planung“ offenbar von vielen Interessierten scheinbar als so untauglich empfunden werden, dass sie zur Eigeninitiative schreiten, müssen auch Architekten und Stadtplaner ihre Rolle in Planungsprozessen überdenken, um sich in einer individualisierten und mediatisierten Gesellschaft mit ihren sich wandelnden Formen der Konsensbildung zu positionieren. Welche Mittel und Wege einer interdisziplinären Zusammenarbeit gibt es und welche sind geeignet, um die individualisierten Absichten von Individuen und Gruppen so zu konkretisieren, dass sie einerseits den Absichten der Initiatoren, andererseits den Bedürfnissen anderer Gruppen genügen? Welche Rolle spielen Architektur und Gestaltung in solchen Prozessen? Wie verhalten sich Architekten in diesem komplexen Interessengefüge, wenn sie sich als Teil eines interdisziplinär arbeitenden Teams verstehen? Wie lässt sich dieser Ausgleich zwischen möglicherweise divergierenden Interessen mit dem grundlegenden Motiv einer guten Gestaltung unterlegen?

Reuse the Public: Struktur und Inhalt
Ausgewählt und vorgestellt werden in drei interdisziplinären Diskussionsrunden Form gewordene Ideen, die in den letzten Jahren neue Formen der Stadtgesellschaft und der Stadtöffentlichkeit reflektiert haben. Gemeinsam ist den Projekten, dass ihr inhaltlicher Kern in einer Wiederbelebung oder Neuinterpretation eines nicht mehr oder anders genutzten Teils des öffentlichen Raumes liegt. Hier besteht eine unmittelbare Verbindung zum Thema des deutschen Pavillons. Gemeinsam ist den Projekten auch, dass sie in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Bürgern, Entwerfern, Planern, Wissenschaftlern oder anderen Akteuren begonnen und ausgeführt wurden.

Mit „Reuse the Public“ trägt der BDA an einer Schlüsselstelle der Architekturdebatte neue Ideen, Methoden und Strategien bürgerschaftlicher Projekte im öffentlichen Raum zusammen. Die Bedeutung solcher Vorhaben im Hinblick auf eine sich wandelnde Gesellschaft ist nicht zu unterschätzen: Sie wird schlussendlich erhebliche Auswirkungen auf die Rolle von Architekten in informellen Planungsprozessen und die Bedeutung von Gestaltung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung haben.

Öffentliche Veranstaltung:
Mittwoch, 29. August 2012, 11.00 bis 12.30 Uhr
Deutscher Pavillon, Giardini


Einladung zum BDA-FEST

29.8.2012 ab 18 Uhr im Palazzo Loredan dell‘ Ambasciatore

Im Anschluss an die BDA-Veranstaltung im deutschen Pavillon und einem Rundgang durch die Giardini lädt der BDA alle Interessierten ab 18.00
Uhr in den BerührungsPUNKTE-Palazzo Loredan dell‘ Ambasciatore (Calle di Cerchieri, 1263, 30123 Venedig) am Canal Grande zu einem großen Fest ein.

Anmeldung zu dem Fest unter
kontakt@bda-bund.de