Tomi Ungerer und FSB – das ist die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft. »Ich ben minem Kumpel sehr dankbar,« schreibt Ungerer über FSB-Geschäftsführer Jürgen W. Braun: »Er esch d´r Patron von e´ra Fabrick wo Teerklenke hargestellt sen. Met viel Spass und tatkraftigi Unterstetzung hät´rs mejlich gemacht, mini Teere und Klenke harzestelle.« Für seine autobiographische Ausstellung »Zwischen Marianne und Germania« schuf der gebürtige Elsässer Tomi Ungerer 1988 ein begleitendes Kunstwerk, das er »Mein politischer Türenparcours« nannte.

Die begehbaren Objekte interpretieren das elsässische Drama der Identitätsfindung zwischen den befestigten Grenzen der Deutschen und Franzosen. Aus dem Blickwinkel des Elsass – der Tür zwischen Deutschland und Frankreich – zeigt Ungerer beispielsweise »Die deutsche Tür«: ein dreigeteiltes, ineinander verkeiltes Türblatt in schwarz, rot und gold und versehen mit soliden Türklinken aus Handwerkshämmern, das sich ohne Gebrauchsanweisung kaum öffnen lässt. »Die Sargdeckel-Tür« – als Klinken dienen Sargnägel – mahnt mit je einem französischen und deutschen Stahlhelm auf Kreuzen in elsässischer Erde. »Die französische Tür« ist eine Hommage an die traditionelle Großfamilie: Erwachsene, Kinder und sogar Hunde haben ein auf ihr Format zugeschnittenes Gourmet-Eintrittsportal, zu öffnen mit Schneebesen in verschiedenen Größen. Das Begehen der europäischen Tür schließlich verlangt vom Benutzer die Abkehr von Gewohntem: Beim Öffnen und Durchschreiten muss sich der Besucher einmal um sich selbst drehen und sieht ungewollt die Form des schwarzen Loches der gemeinsamen Vergangenheit.
Die insgesamt sechs Türobjekte dokumentiert der von FSB und Jürgen W. Braun herausgegebene Bildband »Mein politischer Türenparcours« (www.fsb.de).