Das Land NRW fördert Lichtkunst im öffentlichen Raum

»Wir brauchen künstlerische Initiativen, die zur Profilierung von Städten und Landschaften beitragen.« NRW-Städtebauminister Michael Vesper fördert in 20 Städten künstlerische Lichtinszenierungen im öffentlichen Raum. Ziel: Ein neues Licht-Bewusstsein, das über flache Inszenierungen der Postmoderne oder den Event-Marathon der Markenwerbung hinausgeht.

Das Thema Licht gehört zu den Highlights der aktuellen Städtebau- und Architekturdiskussion. Das Meinungsspektrum auf der Suche nach erleuchtenden Ideen ist breit und widersprüchlich. Die einen beschwören die Sicherheit im öffentlichen Raum, die anderen erwarten spektakuläre Inszenierungen von Kunst und Kultur. Licht kann scheinbar alles, es kann Feierlichkeit erzeugen, aber auch Intimität. Es kann Situationen wertvoll, aber auch billig erscheinen lassen. Licht macht sichtbar, ohne selbst sichtbar zu sein. Es setzt Räume, Formen und Gegenstände zueinander in ein Verhältnis.

Im Ruhrgebiet setzen bereits jetzt anspruchsvolle Inszenierungen von Licht spannende Akzente. In Bottrop strahlt der Tetraeder, gewissermaßen ein künstlerisch ambitionierter Aussichtspunkt auf einer begrünten Halde, nachts wie ein mysteriöses, surrealistisches Gebilde. Die Beleuchtung des Stahlwerkes im Landschaftspark Duisburg und der Kokerei Zollverein sind experimentelle und maßstabsetzende Beispiele für eine komplexes Licht-Inszenierungskonzept eines Industriegeländes. Aufgrund dieser Inszenierungen hat die Diskussion um Industriekultur eine neue Dimension bekommen.
Internationale Aufmerksamkeit fanden auch die Lichtideen rund um den Düsseldorfer Fernsehturm bis hin zur Tonhalle. Aber Licht ist nicht nur ein Großstadtthema. In der Leuchtenstadt Lüdenscheid ist es gelungen, Licht als wesentliches Gestaltungsmerkmal des öffentlichen Raumes einzubeziehen. »München im Kunstlicht« ist eine Aktion, zu der internationale Installationskünstler eingeladen waren und die wertvolle Anregungen auch für andere Projekte geben konnte.

Geförderte Lichtkunst muss jedoch auch die Diskussion um Qualität führen und kritisch analysieren. Kurz und markig benennt Vesper, was er sich vorstellt: »Nicht überall ist Times-Square.«

Die richtigen Orte, richtige Zeiten und angemessenen Dimensionen zu finden, ist die (Licht) Kunst. Die Inflation von rein kommerziellen Light- Shows, die mit flachen »Emotions« und banaler Symbolik arbeitet, beherrscht schon jetzt oft zuviel und zu beliebig öffentlichen Raum. Positives Gegenbeispiel: In der Großsiedlung Jena-Lobeda steht an der Stirnwand eines 350 Meter langen Plattenbaus der beleuchtete Schriftzug »Ich sehe was, was du nicht siehst.«
Qualität wird sich jedoch nicht nur an der künstlerischen Ambition messen lassen. Verkehrssicherheit, Orientierung, zu schaffende Verbindungen etc. spielen in der Diskussion mindestens eine ebenso große Rolle.

In Dortmund unvergesslich ist die Anekdote des Studenten, der die Neonröhren, die das Geländer einer Fußgängerbrücke über die B1 beleuchten, in einer Nacht- und Nebelaktion in Regenbogenfarben anstrich. Das ist zwanzig Jahre her und zettelte eine absurde Diskussion und juristische Auseinandersetzungen über künstlerische Freiheit und Sicherheit im öffentlichen Raum an. Die Kunst hat gewonnen und so ist diese bescheidene Mini-Inszenierung eines Lichtbogens über eine der vielbefahrendsten Straßen des Ruhrgebiets ein frühes Beispiel des leuchtenden Aufbruchs.

Die Elemente der Architektur sind Licht und Schatten, Mauer und Raum. Nichts weiteres kann hier hinzugefügt werden.
– Le Corbusier –

An der Auseinandersetzung zwischen Kunst und Sicherheit hat sich auch heute noch nichts Grundsätzliches geändert, auch wenn die Zahl der beleuchteten Werbetafeln und in den Himmel ragenden Scheinwerferstrahlen stetig zugenommen hat. Jeder hat so seine eigenen (Ideal-) Vorstellungen von der nächtlichen Stadtsilhouette.

Das Düsseldorfer Bauministerium hat erkannt, dass durch die dominanten Trends der Rationalisierung und Standardisierung die Gesichter der Städte einander immer ähnlicher werden. Es gibt nicht viel Unterschiede zwischen den C&A’s dieses Landes. Licht und Lichtplanung kann hier eine Chance sein, die historische und persönliche Identität der Städte wieder herauszuarbeiten. Diese atmosphärische Ausstrahlung von Städten scheint zunehmend wichtiger zu werden und vielleicht eine der flexibelsten (und im Vergleich zu Neubauten kostengünstigsten) Möglichkeiten, eine Identität zu schaffen.

Das Verhältnis zwischen Licht und Stadt wird neu definiert und nicht mehr allein den Ingenieuren überlassen. Licht ist zu einer Aufgabe für die Kooperation von Künstlern, Städtebauern und Architekten geworden.

Licht-Künstler Jürgen LIT Fischer, der bereits den Tetraeder in Szene setzte, ist gerade dabei, für die Essener Innenstadt ein neues Lichtprojekt zu planen: Das Sträßchen mit dem signifikanten Namen »Schwarzes Meer«, geprägt durch eine 35 Meter lange Wand eines RWE-Gebäudes soll in reflektierendem Licht erstrahlen. LIT Fischer, aus Frankfurt ins Ruhrgebiet verschlagener Goethe-Fan, zitiert dazu gern den Altmeister: »Mehr Licht! Hier ist schlecht«.

Bild1:
Stahl-Tetraeder Halde Beckstraße Bottrop mit Lichtinszenierung von Jürgen LIT Fischer
(Foto: KVR)

Bild 2:
Lichtinszenierung von Jonathan Park im Landschaftspark Duisburg- Nord
(Foto: KVR)

Bild 3:
»Einleuchtend« Lichtinstallation Zeche Carl, Essen Jürgen LIT Fischer

Bild 4:
Blau, Rot, Wasserspiegelung: Inszenierung auf der Kokerei Zollverein in Essen
(Foto: KVR)

Bild 5:
Gasblau: beleuchteter Kugelgasbehälter in Gelsenkirchen.
(Foto: LIT Fischer)

Bild 6:
Brücke im Schatten des Theaters: Projekt Lichtparcours, Braunschweig.
(Foto: LIT Fischer)